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Wirtschaft im Franz

Wirtschaft im Franz

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Bremgartnerstrasse 18, 8003 Zürich, Schweiz
Restaurant Restaurant mit moderner europäischer Küche
8.8 (526 Bewertungen)

In Zürichs Kreis 3, an der Bremgartnerstrasse 18, befindet sich die Wirtschaft im Franz, ein Restaurant, das sich einer anspruchsvollen, modernen Interpretation der Schweizer Küche verschrieben hat. Der Leitgedanke ist klar und ambitioniert: Saisonalität, Nachhaltigkeit und Bio-Qualität sollen nicht nur Schlagworte sein, sondern die Grundlage jedes Gerichts bilden. Dieses Credo zieht sich durch das gesamte Konzept und macht das Lokal zu einer Adresse für Gäste, die bewusst geniessen möchten. Doch die Erfahrungen der Besucher zeichnen ein komplexes Bild, das zwischen kulinarischer Offenbarung und spürbarer Enttäuschung schwankt.

Das Konzept: Ein mutiges Bekenntnis zum Produkt

Die Philosophie der Wirtschaft im Franz, die unter der Leitung von Küchenchef Sebastian Funck steht, stellt das Produkt in den Mittelpunkt. Anstatt auf überladene Kreationen zu setzen, verfolgt die Küche einen puristischen Ansatz, bei dem wenige, aber hochwertige Komponenten ein Gericht definieren sollen. Dieser Fokus auf das Wesentliche wird durch ein striktes Überraschungsmenü-Konzept umgesetzt. Gäste können zwischen vier, fünf oder sechs Gängen wählen, haben jedoch keinen Einfluss auf die Zusammenstellung. Die Küche entscheidet, was auf den Tisch kommt, basierend auf dem, was die Saison und die regionalen Produzenten gerade hergeben. Dieser Ansatz erfordert Vertrauen und Offenheit seitens des Gastes und positioniert das Abendessen in Zürich hier als ein echtes Gourmet-Erlebnis für Abenteuerlustige. Das Ambiente unterstützt diese Ausrichtung: Mit einer offenen Küche und einem urbanen, lockeren Bistro-Stil wird eine sympathische und unkomplizierte Atmosphäre geschaffen, die von vielen Gästen als sehr angenehm und zum Wohlfühlen beschrieben wird.

Die kulinarische Umsetzung: Zwischen Finesse und Fehltritt

Die Anerkennung durch Restaurantführer wie den Guide Michelin, der das Lokal mit einem Stern auszeichnete, und Gault&Millau mit 14 Punkten, spricht für die handwerkliche Finesse des Teams. In der Tat berichten viele Gäste von raffinierten, durchdachten Gerichten, die traditionelle Elemente modern interpretieren. Kreationen wie pochierter Rosenkohl mit Haselnusscreme und Belper Knolle oder eine Tarte Tatin mit geräucherter Vanilleglace werden für ihre Balance und Tiefe gelobt. Die Weinbegleitung wird ebenfalls häufig als exzellent und perfekt auf die Speisen abgestimmt beschrieben, was das kulinarische Erlebnis abrundet.
Allerdings ist das Echo nicht durchweg positiv. Einige Besucher empfinden die Gerichte als optisch zu schlicht und vermissen den Überraschungseffekt, den ein solches Konzept verspricht. Die Kritikpunkte sind dabei sehr konkret: Ein Dessert, bei dem ein intensives Kirschsorbet alle anderen Komponenten überdeckte, oder ein als unpassend empfundener kalter Radieschen-Salat nach dem Fleischgang. Ein besonders schwerwiegender und wiederholt genannter Kritikpunkt war ein Gericht mit perfekt gegartem Rindfleisch, das mit einem als verbrannt beschriebenen Nüsslisalat serviert wurde. Der bittere Geschmack und der Geruch ruinierten für diese Gäste den gesamten Gang – ein Fehler, der in der gehobenen Küche nicht passieren sollte. Solche Erfahrungen deuten auf eine gewisse Inkonsistenz in der Küchenleistung hin, bei der die Grenze zwischen einem gewagten Röstaroma und einem schlicht verbrannten Produkt nicht immer getroffen wird.

Preisgestaltung und Service: Wo die Meinungen auseinandergehen

Mit einem Preisniveau der Stufe 3 gehört die Wirtschaft im Franz zu den teureren Adressen in Zürich. Ein Sechs-Gänge-Menü wurde von einem Gast mit 123 Franken beziffert. Kritik entzündet sich jedoch weniger am Menüpreis selbst als an den Nebenkosten und der wahrgenommenen Wertigkeit. Dass für Brot und Aufstrich bei jedem Nachbestellen ein Betrag von 4 Franken fällig wird oder dass Digestifs mit über 14 Franken zu Buche schlagen, stösst einigen Gästen sauer auf. Diese Preispolitik, kombiniert mit der Tatsache, dass bei einem mehrgängigen Menü nicht immer ein Fleischgang inkludiert ist, führt bei manchen zu dem Gefühl, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt. Auch die Praxis, das gesamte Menü Degustation mit demselben Besteck essen zu müssen, wird als unpassend für ein Sternerestaurant empfunden.
Der Service wird ebenso ambivalent bewertet. Einerseits wird er als «super», aufmerksam und sympathisch beschrieben. Andererseits gibt es Berichte über Personal, das Gerichte falsch erklärte und – was schwerer wiegt – auf Reklamationen defensiv reagierte. Die Aussage, dass «fast alle anderen Gäste den Gang gut finden», anstatt eine Alternative anzubieten, zeugt von einer mangelnden Souveränität im Umgang mit Kritik. Gerade in einem Haus mit hohem kulinarischem Anspruch ist die professionelle und zuvorkommende Behandlung von Feedback entscheidend für die Gesamterfahrung.

Fazit: Ein anspruchsvolles Restaurant mit Risiken

Die Wirtschaft im Franz ist zweifellos ein interessantes Bio-Restaurant in Zürich, das mit seinem klaren Bekenntnis zu nachhaltigen und saisonalen Gerichten eine wichtige Nische besetzt. Es ist ein Ort für Gäste, die sich auf ein von der Küche kuratiertes Erlebnis einlassen möchten und den Wert hochwertiger, lokaler Produkte schätzen. Die Chance auf ein herausragendes, kreatives Essen ist definitiv gegeben, wie die vielen positiven Bewertungen und die Auszeichnungen belegen. Potenzielle Besucher sollten sich jedoch der möglichen Kehrseiten bewusst sein: Die kulinarische Darbietung kann schwanken, das rigide Menükonzept lässt keinen Raum für persönliche Vorlieben, und die Preisstruktur kann für Überraschungen sorgen. Es ist ein Restaurant in Zürich mit einer starken Vision, das jedoch nicht immer allen Facetten seines eigenen hohen Anspruchs gerecht wird. Ein Besuch kann zu einem unvergesslichen Abend führen, birgt aber auch das Risiko einer Enttäuschung, wenn Konzept, Ausführung und Gast-Erwartung nicht im Einklang sind.

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