VIVA ENGIADINA
ZurückFür Liebhaber der authentischen Bündner Alpenküche war das VIVA ENGIADINA in Schlatt einst eine feste Grösse, ein Ort, der für mehr als nur gutes Essen stand. Heute jedoch ist die Tür dieses geschätzten Lokals dauerhaft geschlossen, was eine Lücke in der lokalen Gastronomieszene hinterlässt. Dieser Umstand ist der grösste und bedauerlichste Nachteil für jeden, der heute nach diesem Restaurant sucht. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Betrieb, der von Herzen geführt wurde und dessen Ruf auf ehrlicher, traditioneller Kochkunst und einer unvergleichlichen Gastfreundschaft basierte.
Das VIVA ENGIADINA war das Ergebnis der Leidenschaft seiner Betreiber, Debora und Hans, die, angetrieben von ihren Bündner Wurzeln, im Sommer 2022 den Traum eines eigenen Gasthauses verwirklichten. Ihr Ziel war es, eine Oase der Erholung mit kulinarischen Genüssen zu schaffen. Und genau das taten sie. Das Lokal wurde schnell zu einem Treffpunkt für Jung und Alt, für Einheimische und Besucher gleichermassen. Die hohe durchschnittliche Bewertung von 4.7 Sternen bei insgesamt 39 Rezensionen sprach Bände über die Zufriedenheit der Gäste, die hier einkehrten.
Die Seele des Hauses: Ehrliche Engadiner Küche
Das Herzstück des VIVA ENGIADINA war zweifellos seine kulinarische Ausrichtung. Unter dem Motto „Einfache, Ehrliche, Engadiner Küche“ brachten die Inhaber die Spezialitäten ihrer Heimat nach Schlatt. Die Speisekarte war bewusst übersichtlich gehalten, was als klares Bekenntnis zu Frische und Qualität zu verstehen war. Anstatt einer überladenen Auswahl konzentrierte man sich auf wenige, aber sorgfältig ausgewählte und meisterhaft zubereitete Gerichte. Alles wurde von den Chefs persönlich und frisch zubereitet, ein Qualitätsmerkmal, das von den Gästen hochgeschätzt wurde.
Die Engadiner Küche ist bekannt für ihre deftigen und nahrhaften Speisen, die aus den Zutaten der alpinen Landwirtschaft entstehen. Gerichte wie "Plain in Pigna", ein traditioneller Kartoffelkuchen mit Salsiz, oder Pizokel, eine Art Spätzle, die oft mit Käse überbacken wird, standen für die Authentizität des kulinarischen Angebots. Solche Spezialitäten boten ein unverfälschtes Geschmackserlebnis und waren ein wesentlicher Grund, warum Gäste immer wieder den Weg ins VIVA ENGIADINA fanden. Wer hier zum Mittagessen oder Abendessen einkehrte, suchte nicht nach internationaler Fusionsküche, sondern nach bodenständiger und ehrlicher Schweizer Küche.
Traditionelle Anlässe wie die "Metzgete"
Ein besonderes Highlight im Jahreskalender des Restaurants waren traditionelle Anlässe wie die "Metzgete". Dieses typisch schweizerische Festessen im Herbst, bei dem verschiedene Teile vom Schwein frisch zubereitet werden, unterstrich die Verbundenheit des Hauses mit dem ländlichen Brauchtum. Von Blut- und Leberwurst über Speck und Rippli bis hin zu deftigen Beilagen wie Sauerkraut und Rösti – die Metzgete im VIVA ENGIADINA war ein gesellschaftliches Ereignis und ein Fest für die Sinne, das die Werte der gutbürgerlichen Küche zelebrierte.
Atmosphäre und der menschliche Faktor
Neben dem Essen war es vor allem die Atmosphäre, die das VIVA ENGIADINA auszeichnete. Das Lokal wurde als gemütliches Restaurant der alten Art beschrieben, mit einer grossen und einladenden Gartenwirtschaft. Dieser Aussenbereich war besonders im Sommer ein beliebter Treffpunkt, ausgestattet mit rustikalen Möbeln und sogar Liegestühlen, die zum Verweilen einluden. Es war ein Ort, an dem man nicht nur zum Essen gehen verabredet war, sondern um eine gute Zeit zu verbringen, sei es bei Familienfeiern oder geselligen Spieleabenden mit Dart, Flipperkasten oder Jasskarten.
Die Persönlichkeiten der Inhaber spielten eine zentrale Rolle für das Wohlbefinden der Gäste. Die Chefin, Debora, wurde als wahrer "Sonnenschein" beschrieben, deren herzliche Art sofort eine positive Stimmung verbreitete. Ihr Partner Hans, der Chefkoch, mag auf den ersten Blick vielleicht etwas mürrisch gewirkt haben, wie ein Gast bemerkte, entpuppte sich aber schnell als hervorragender Koch, der zuvorkommend, humorvoll und hilfsbereit war. Diese menschliche Komponente, diese spürbare Leidenschaft der Betreiber, war das, was aus einem einfachen Restaurantbesuch ein unvergessliches Erlebnis machte.
Ein Service, der in Erinnerung bleibt
Eine Anekdote aus den Gästebewertungen illustriert den besonderen Geist des Hauses perfekt: Eine Besucherin bemerkte während der Metzgete, dass ihre Cremeschnitte im Gegensatz zu denen ihrer Tischnachbarn ohne Dekoration serviert wurde. Nachdem sie dies freundlich bemängelte, erhielt sie nicht nur eine kleine Korrektur, sondern einen "maximalst liebevollen Teller" mit zahlreichen Dekoelementen. Diese humorvolle und grosszügige Geste ist bezeichnend für einen Service, der weit über das Notwendige hinausging und den Gästen das Gefühl gab, wirklich wertgeschätzt zu werden. Solche positiven Bewertungen waren keine Seltenheit und trugen massgeblich zum exzellenten Ruf des Lokals bei.
Die Kehrseite der Medaille
Bei einem so hochgelobten Betrieb ist es schwer, von echten Nachteilen zu sprechen. Der offensichtlichste und schmerzlichste Punkt ist, wie bereits erwähnt, die endgültige Schliessung. Für potenzielle Kunden gibt es keine Möglichkeit mehr, die beschriebenen Qualitäten selbst zu erleben.
Betrachtet man das Konzept aus einer kritischen Perspektive, könnte man argumentieren, dass die sehr spezifische Ausrichtung auf Engadiner Küche nicht jedermanns Geschmack traf. Die bewusst klein gehaltene Speisekarte, ein Garant für Frische, mag für Gäste, die eine breite Auswahl bevorzugen, als Einschränkung empfunden worden sein. Auch der als "mürrisch" beschriebene erste Eindruck des Chefs hätte bei manchen Gästen, die den dahinterliegenden Humor nicht erkannten, zu einer falschen Wahrnehmung führen können. Dies sind jedoch keine fundamentalen Mängel, sondern eher Aspekte, die vom persönlichen Geschmack und der Erwartungshaltung des Einzelnen abhängen.
Ein Fazit zum Abschied
Das VIVA ENGIADINA in Schlatt war mehr als nur ein Restaurant; es war ein von den Inhabern mit Herzblut geführtes Projekt, das ein Stück Bündner Kultur in den Thurgau brachte. Es stand für eine ehrliche, qualitativ hochwertige Küche, eine warme, familiäre Atmosphäre und einen Service, der von echter Gastfreundschaft geprägt war. Die zahlreichen positiven Erinnerungen und begeisterten Berichte der ehemaligen Gäste zeichnen das Bild eines Lokals, das zu Recht einen besonderen Platz in den Herzen vieler Menschen hatte. Sein Ende ist ein Verlust für die Region und eine Erinnerung daran, wie wertvoll authentische, inhabergeführte Gastronomiebetriebe sind.