Vinotake
ZurückEine bemerkenswerte Ära in der Gastronomie von Lenk neigt sich dem Ende zu. Das Vinotake am Bahnhofplatz 1, seit fast zwei Jahrzehnten ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen und kulinarischen Lebens, schliesst seine Türen. Die Inhaber, Ilona Pesonen und Hansjürg 'Schwe' Schweizer, die das Lokal seit seiner Eröffnung am 9. November 2007 mit ausserordentlicher Hingabe geführt haben, treten in den wohlverdienten Ruhestand. Diese Nachricht hinterlässt bei vielen Stammgästen und Freunden des Hauses ein Gefühl der Wehmut, denn das Vinotake war weit mehr als nur ein Restaurant oder eine Bar – es war ein Ort der Begegnung, des Genusses und der herzlichen Gastfreundschaft.
Das Herzstück: Ein Gastgeberpaar mit Passion
Der Erfolg und die besondere Atmosphäre des Vinotake sind untrennbar mit den Persönlichkeiten seiner Betreiber verbunden. In zahlreichen Kundenrezensionen werden Ilona und 'Schwe' als die "herzvollsten Gastgeber" beschrieben, die man in der Schweiz finden kann. Ihr Engagement ging weit über den üblichen Service hinaus. Sie waren stets für ein Gespräch zu haben, zeigten sich hilfsbereit und schufen eine Umgebung, in der sich jeder Gast sofort willkommen und wohl fühlte. Es war diese persönliche Note, diese spürbare Leidenschaft für ihre Arbeit, die aus einem Besuch im Vinotake ein unvergessliches Erlebnis machte. 'Schwe' selbst betonte in einem Interview, wie wichtig die 50/50-Partnerschaft mit Ilona für den langjährigen Erfolg war und dass ihr unermüdlicher Einsatz das Fundament des Betriebs bildete. Über die Jahre sind aus Gästen unzählige Freundschaften entstanden, was die Arbeit für das Duo stets zu einer Freude machte.
Ein Refugium der Genusskultur
Das Konzept des Vinotake war von Anfang an auf eine hohe "Wein & Genusskultur" ausgerichtet, wie es der eigene Slogan versprach. Das Lokal selbst, obwohl klein, war liebevoll und gemütlich eingerichtet und strahlte eine heimelige, stressfreie Atmosphäre aus. Die Fotos zeigen ein rustikales Interieur mit viel Holz, das zum Verweilen einlud. Bei wärmerem Wetter verlagerte sich das Geschehen auf die belebte "Piazza" direkt am Bahnhofplatz oder auf den sonnigen Seitenbalkon. Diese verschiedenen Bereiche boten den perfekten Rahmen für entspannte Stunden.
Ein exquisites Angebot an Essen und Trinken
Die wahre Stärke des Vinotake lag in seinem sorgfältig kuratierten Angebot. Der Name selbst war Programm, und die Weinkarte war das Herzstück.
- Wein: Die Leidenschaft der Inhaber für guten Wein war in jeder Flasche spürbar. Das Sortiment umfasste rund 40 verschiedene Weine von fast 30 Winzern aus der Schweiz, Italien, Spanien, Portugal und Frankreich. Fast die Hälfte davon wurde auch im Offenausschank angeboten, was den Gästen eine breite Auswahl zum Probieren ermöglichte. Jeder Wein wurde persönlich degustiert und ausgewählt, oft direkt bei den Winzern, um deren Philosophie und Arbeitsweise zu verstehen und diese Geschichten an die Kunden weitergeben zu können.
- Weitere Getränke: Über den Wein hinaus bot die Bar eine beeindruckende Vielfalt. Mehr als ein Dutzend Gins, eine Auswahl an auserlesenen Single Malt Whiskys, gereifte Rums und edle Grappas standen zur Wahl. Auch das Bier-Angebot war regional geprägt, mit dem Simmentaler Bier direkt aus Lenk und dem Felsenau Bier aus Bern. Italienischer Kaffee, Teespezialitäten und alkoholfreie Getränke rundeten die umfassende Getränke-Karte ab.
- Speisen: Um das kulinarische Erlebnis zu vervollständigen, servierte das Vinotake alpin-mediterrane Häppchen. Die Speisekarte war bewusst klein gehalten, aber perfekt auf die Getränke abgestimmt. Ofenfrische Crostini, hausgemachte Ciabatta, heisse Croques und vor allem die Plättli mit Lenker Alpkäse und lokalen Wurstwaren waren bei den Gästen äusserst beliebt und stillten den kleinen Hunger auf köstliche Weise.
Mehr als nur eine Bar: Ein kultureller Treffpunkt
Das Vinotake war auch ein wichtiger kultureller Veranstaltungsort in Lenk. In dem intimen Rahmen fanden legendäre Konzerte statt, bei denen die Gäste eng beieinander sassen und die Nähe zu Künstlern wie beispielsweise Jaël geniessen konnten. Auch die Skirennfahrerin Joana Hählen hielt hier ihre Fanclub-Anlässe ab. Diese Events trugen massgeblich zum Ruf des Vinotake als lebendiger Treffpunkt bei, an dem man nicht nur exzellent trinken, sondern auch Kultur erleben konnte.
Ein Blick zurück: Was Gäste schätzten und vermissen werden
Die durchweg hohen Bewertungen mit einem Durchschnitt von 4.8 Sternen sprechen eine klare Sprache. Das herausragendste Merkmal war der bereits erwähnte herzliche und aufmerksame Service. Gäste fühlten sich nicht nur bedient, sondern wahrhaft umsorgt. Das einladende Ambiente, kombiniert mit der hohen Qualität der Produkte zu fairen Preisen, schuf ein Gesamtpaket, das in der Region seinesgleichen suchte. Die kleine Grösse des Lokals, die man als potenziellen Nachteil ansehen könnte, wurde hier zur Stärke. Sie förderte eine intime Atmosphäre und machte es leicht, mit den Gastgebern und anderen Gästen ins Gespräch zu kommen. Es war ein Ort, an dem man dem Alltagsstress entfliehen konnte.
Ein Abschied auf Raten
Der reguläre Betrieb des Vinotake endete bereits am Samstag, den 18. Oktober. Um allen Freunden, Stammgästen und Geniessern die Möglichkeit zu geben, sich gebührend zu verabschieden, veranstalten Ilona und 'Schwe' jedoch eine letzte "Good-bye Apérotime" am Freitag, den 14. November, und Samstag, den 15. November. An diesen Tagen wird es noch einmal die Gelegenheit geben, in Erinnerungen zu schwelgen und auf 18 wundervolle Jahre anzustossen. Die Zukunft der Räumlichkeiten am Bahnhofplatz 1 ist derzeit noch offen. Mit der Schliessung des Vinotake verliert Lenk nicht nur ein aussergewöhnliches Lokal, sondern ein Stück gelebte Genusskultur und einen Ort, der für viele wie ein zweites Wohnzimmer war.