Sommet by Martin Göschel
ZurückIm exklusiven Hotel The Alpina Gstaad gelegen, positioniert sich das Restaurant Sommet unter der Leitung von Executive Chef Martin Göschel als eine Adresse für anspruchsvolle Gaumen. Die Auszeichnungen sprechen eine deutliche Sprache: Mit einem Michelin-Stern und beeindruckenden 18 Gault&Millau-Punkten sind die Erwartungen hoch. Das Ambiente verbindet rustikalen Charme mit moderner Eleganz und bietet von der Panoramaterrasse einen atemberaubenden Blick auf die Alpen – ein Rahmen, der ein kulinarisches Erlebnis der Spitzenklasse verspricht. Doch die Erfahrungen der Gäste zeichnen ein vielschichtiges Bild, das zwischen höchstem Lob und spürbarer Enttäuschung schwankt.
Die Vision von Martin Göschel: Ein Bekenntnis zur Schweiz
Martin Göschel, ein in Deutschland geborener Koch, der sich in der Schweiz einen Namen gemacht hat, verfolgt im Sommet eine klare Philosophie. Seit August 2023 hat das Restaurant einen bemerkenswerten Schritt vollzogen: Es werden ausschliesslich Schweizer Proteine verwendet. Das bedeutet einen bewussten Verzicht auf nicht-schweizerische Meeresfrüchte, Fleisch- und Milchprodukte. Dieser Ansatz unterstreicht ein starkes Engagement für Nachhaltigkeit und die Unterstützung lokaler Produzenten. Göschels Küche zielt darauf ab, das kulinarische Erbe der Schweiz modern zu interpretieren, wobei saisonale Frische und die hohe Qualität alpiner Produkte im Mittelpunkt stehen. Seine Gerichte sind oft von der Natur und seinen Reisen inspiriert, was zu einer Kombination aus klassisch-französischer Basis und internationalen Einflüssen führt. Für den Gast soll der Ursprung der Zutaten erkennbar bleiben, die Interpretation jedoch überraschen.
Lob für Exzellenz und Detailverliebtheit
Viele Besucher beschreiben ihren Abend im Sommet als aussergewöhnlich und exquisit. Die Begeisterung erstreckt sich oft über alle Altersgruppen, wie eine Familie berichtete, deren Mitglieder von 16 bis 86 Jahren vom Erlebnis angetan waren. Für sie war das Sommet eine Klasse für sich, selbst im Vergleich zu anderen internationalen Spitzenrestaurants. Ein zentraler Punkt des Lobes ist das Personal, das als aussergewöhnlich aufmerksam und detailverliebt beschrieben wird. Dieser Service trägt massgeblich dazu bei, dass sich viele Gäste sehr gut aufgehoben fühlen und den Abend als rundum gelungen empfinden.
Die Präsentation der Speisen wird durchweg als wunderschön und kunstvoll gelobt. Die Gerichte im Rahmen des Degustationsmenü, das zwischen vier und acht Gängen variieren kann, sind optisch ein Highlight. Auch geschmacklich werden viele Kreationen gefeiert; insbesondere das Lamm wurde als sehr zart und perfekt zubereitet hervorgehoben. Die Atmosphäre, untermalt von Musik und der beeindruckenden Aussicht, wird ebenfalls als grossartig empfunden und trägt zum positiven Gesamterlebnis bei. Die Weinkarte mit über 400 Positionen sowie die Auswahl an europäischen Bieren finden ebenfalls Anklang und runden das Angebot der Sterneküche ab.
Kritische Stimmen: Wenn der Anspruch die Zufriedenheit überholt
Trotz der vielen positiven Aspekte gibt es auch fundierte Kritik, die potenzielle Besucher berücksichtigen sollten. Ein wiederkehrender Kritikpunkt ist das Gefühl, das Restaurant bemühe sich übermässig um Originalität und Komplexität, um die begehrten Auszeichnungen zu sichern – möglicherweise auf Kosten des reinen Genusses. Ein Gast, der sich als erfahrenen Besucher von Michelin-Restaurants bezeichnet, empfand die Gerichte als geschmacklich eher unscheinbar. Der strikte Fokus auf regionale Produkte führe zuweilen zu weniger ausdrucksstarken Aromen.
Das Dilemma der Portionsgrössen und der Preisgestaltung
Ein besonders heikler Punkt ist die Grösse der Portionen, die von einem Gast als "winzig" beschrieben wurden. Eine als Garnelen-Vorspeise deklarierte Kreation entsprach im Volumen kaum mehr als anderthalb Penne-Röhrchen. Im kleineren Vier-Gänge-Menü wurde diese Portion sogar noch halbiert. Solche minimalistischen Anrichteweisen sind im Fine Dining nicht unüblich, führen aber hier zu der Frage, ob der Gast am Ende des Abends zufrieden und gesättigt ist. Diese Kritik wird durch den erheblichen Preis untermauert: Eine Rechnung von rund 1000 CHF für vier Personen (ohne Trinkgeld) wirft die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis auf, insbesondere wenn das Essen als geschmacklich nicht überzeugend empfunden wird.
Inkonsistenzen in der Küchenleistung
Neben der konzeptionellen Kritik wurden auch konkrete Mängel bei einzelnen Gerichten bemängelt, die in einem Gourmet-Restaurant dieses Niveaus überraschen.
- Das Porterhouse-Steak: Ein Gast beschrieb das Steak als reinen Muskel ohne jegliche Marmorierung, was weit unter der erwarteten Qualität für ein solches Stück Fleisch liegt.
- Das Dessert: Ein Schokoladenfondant wurde als "nicht gebacken" und als kalte Schokoladenmasse serviert, obwohl die Zubereitungszeit von 25 Minuten ausreichend gewesen wäre. Dies deutet auf einen Fehler in der Küche hin.
- Qualitätskontrolle: Besonders schwer wiegt die Erfahrung eines Gastes, dessen Hauptgericht – "Ei mit regionalem Gemüse", bei dem das Eigelb die zentrale Komponente war – zunächst ohne Eigelb serviert wurde. Ein solcher Fehler bei einer überschaubaren Menükarte von nur etwa acht Gerichten wirft Fragen bezüglich der internen Abläufe und der Endkontrolle auf.
Ein Fazit für zukünftige Gäste
Das Sommet by Martin Göschel ist unbestreitbar ein Ort mit hohem Anspruch, einer klaren kulinarischen Vision und einem Ambiente, das seinesgleichen sucht. Es ist das ideale Restaurant für Gäste, die eine avantgardistische, kunstvoll präsentierte Küche schätzen und bereit sind, dafür einen entsprechenden Preis zu zahlen. Die Konzentration auf Schweizer Produkte ist ein mutiger und lobenswerter Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Die positiven Erfahrungen zeugen von Abenden, die als perfekt und unvergesslich in Erinnerung bleiben.
Allerdings sollten Besucher sich der potenziellen Kehrseiten bewusst sein. Die moderne Ausrichtung mit sehr kleinen Portionen ist nicht jedermanns Sache. Die festgestellten Inkonsistenzen bei der Zubereitung einiger Gerichte deuten darauf hin, dass die Exzellenz nicht immer durchgängig garantiert ist. Wer ein klassisches, sättigendes und geschmacklich opulentes Mahl sucht, könnte hier enttäuscht werden. Das Sommet richtet sich an den kulinarischen Entdecker, der die Philosophie des Chefs und die Kunst auf dem Teller höher bewertet als die reine Sättigung – ein Erlebnis, das polarisieren kann, aber zweifellos seine Spuren hinterlässt.