Schäfli
ZurückDas Restaurant Schäfli in Uznach verfolgt einen Ansatz, der in der heutigen Gastronomie-Landschaft sowohl mutig als auch erfrischend ist. Hier tritt der Gast nicht mit einer festen Erwartungshaltung an eine Speisekarte heran, denn es gibt schlichtweg keine. Stattdessen lautet die Philosophie "Es git was git". Dieser Grundsatz bedeutet, dass sich Besucher auf eine kulinarische Reise begeben, deren Route allein von der Gastgeberin und Köchin Tanja Büsser bestimmt wird. Gäste wählen lediglich die Anzahl der Gänge, der Rest ist eine Überraschung, die auf den Tellern nach und nach enthüllt wird. Dieser Verzicht auf eine feste Karte ist das zentrale Merkmal des Schäfli und prägt das gesamte Erlebnis.
Das Konzept: Vertrauen gegen kulinarisches Erlebnis
Die Idee, keine Speisekarte anzubieten, basiert auf einem tiefen Vertrauen in die Qualität und Kreativität der Küche. Seit über zwei Jahrzehnten perfektioniert Tanja Büsser dieses Konzept, bei dem nicht Rezepte den Ton angeben, sondern die Natur selbst. Der Fokus liegt klar auf einer regionalen Küche, die sich streng nach den Jahreszeiten richtet. Rund 95% aller verwendeten Zutaten stammen aus der Schweiz, wobei die Produkte direkt von den Erzeugern bezogen werden. Diese enge Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten garantiert nicht nur Frische, sondern unterstützt auch eine nachhaltige Landwirtschaft. Das Schäfli ist Mitglied bei Slow Food, was die Verpflichtung zu geschmacklich, gesundheitlich und ethisch einwandfreien Lebensmitteln unterstreicht. Ein besonderes Augenmerk wird auf die ganzheitliche Verwertung von Tieren gelegt, was dem "Nose-to-Tail"-Gedanken entspricht und Respekt vor dem Lebewesen zeigt.
Für den Gast bedeutet dies, die Kontrolle abzugeben und sich voll und ganz auf die Kompetenz des Küchenteams zu verlassen. Diese Art des Essen gehens ist nicht für jeden geeignet. Wer gerne gezielt auswählt oder sehr spezifische Vorlieben hat, könnte sich mit diesem Konzept schwertun. Für aufgeschlossene Geniesser jedoch bietet es die Möglichkeit, Gerichte und Geschmackskombinationen zu entdecken, die sie von sich aus vielleicht nie bestellt hätten. Es ist ein echtes Gourmet-Erlebnis, das von Spontaneität und dem Element der Überraschung lebt.
Die kulinarischen Höhepunkte: Vom Überraschungsmenü zum Käseparadies
Das Herzstück des Angebots ist das Überraschungsmenü. Die Rückmeldungen der Gäste sind hierzu überwiegend positiv und beschreiben die Kreationen als vielfältig, qualitativ hochwertig und geschmacklich beeindruckend. Die Gerichte zeugen von der Kreativität und dem Herzblut, mit dem Tanja Büsser, die von Stammgästen als "Goldstück" bezeichnet wird, bei der Sache ist. Sie hat sich ihren Traum von der eigenen Wirtschaft bereits mit 23 Jahren erfüllt und führt das Schäfli seither mit leiser, aber konsequenter Hand zum Erfolg. Diese Beständigkeit wurde unter anderem 2020 mit der Auszeichnung zur "Beiz des Jahres" vom Guide "Aufgegabelt" und einer Nennung unter den "Hot Ten" bei Gault Millau 2022 gewürdigt.
Ein absolutes Highlight, das in vielen Bewertungen fast ehrfürchtig erwähnt wird, ist das Käsebuffet. Anstelle eines klassischen Desserts können die Gäste einen Ausflug in ein separates Käsezimmer unternehmen. Dort erwartet sie eine beeindruckende Auswahl von rund 70 verschiedenen Käsesorten, serviert mit "gschwellti Gummel" (Pellkartoffeln), Brot und Butter. Dieses Angebot ist für Käseliebhaber allein schon einen Besuch wert und setzt dem Abendessen einen unvergesslichen Schlusspunkt.
Die Weinauswahl folgt einem ähnlich unkomplizierten Prinzip. Statt einer unüberschaubaren Weinkarte gibt es eine kleine, aber feine Auswahl von etwa sechs Weinen, die das Menü passend begleiten. So wird auch hier die Entscheidung erleichtert und der Fokus auf das Wesentliche gelenkt: den Genuss.
Atmosphäre und besondere Anlässe
Das Ambiente im Schäfli wird als gemütlich, herzlich und unprätentiös beschrieben. Man spürt die persönliche Handschrift der Wirtin, deren Lachen und Herzlichkeit als echt und einladend empfunden werden. An wärmeren Tagen lädt eine lauschige Gartenwirtschaft zum Verweilen ein. Doch das Schäfli ist mehr als nur ein Restaurant; es ist auch ein Ort für besondere Veranstaltungen, die über das rein Kulinarische hinausgehen. Regelmässig finden Events wie das Kochen auf dem "Feuerring", monatliche "wilde Stubete"-Musikabende, ein "Musikzmittag" oder Vollmond-Events statt. Diese Anlässe verleihen dem Ort einen lebendigen, gemeinschaftlichen Charakter und machen ihn zu einem sozialen Treffpunkt in Uznach.
Kritische Aspekte und was man wissen sollte
Trotz der vielen positiven Stimmen gibt es auch Punkte, die potenzielle Gäste bedenken sollten. Ein wiederkehrender Aspekt in den Bewertungen ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Einige Besucher empfinden die Preise, insbesondere für die Getränke, als eher hoch. Während die Qualität der Speisen selten infrage gestellt wird, scheint die Preisgestaltung für manche nicht gänzlich nachvollziehbar. Dies ist eine subjektive Einschätzung, doch wer ein begrenztes Budget hat, sollte sich dessen bewusst sein.
Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt sind die stark eingeschränkten Öffnungszeiten. Das Schäfli ist montags, dienstags und freitags komplett geschlossen. An den übrigen Tagen sind die Zeitfenster für Mittagessen und Abendessen sehr spezifisch und kurz. Spontane Besuche sind daher kaum möglich; eine Reservierung ist dringend empfohlen und oft lange im Voraus nötig. Diese Exklusivität unterstreicht den besonderen Charakter des Restaurants, erfordert vom Gast aber ein hohes Mass an Planung.
Schliesslich gab es vereinzelte Berichte über Schwierigkeiten bei der Planung von Veranstaltungen, was den Gesamteindruck für die Betroffenen trübte. Auch wenn dies Einzelfälle zu sein scheinen, ist es ein Hinweis darauf, dass bei der Organisation von grösseren Gruppen eine sehr genaue Absprache erforderlich ist. Ein weiterer wichtiger Hinweis ist, dass im Schäfli anscheinend nur Barzahlung möglich ist, was in der heutigen Zeit eine wichtige Information für Besucher ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Restaurant Schäfli eine ausgezeichnete Wahl für Gäste ist, die auf der Suche nach einer einzigartigen Erfahrung jenseits der konventionellen Schweizer Küche sind. Wer bereit ist, die Kontrolle abzugeben, sich auf eine kulinarische Überraschung einzulassen und die intime, persönliche Atmosphäre schätzt, wird hier einen unvergesslichen Abend erleben. Die Fokussierung auf saisonale Gerichte und erstklassige regionale Produkte rechtfertigt für viele den Preis. Man sollte sich jedoch der besonderen Rahmenbedingungen – keine Menüwahl, restriktive Öffnungszeiten und eine gehobene Preisklasse – bewusst sein, um Enttäuschungen zu vermeiden.