Ricken
ZurückDas Restaurant Ricken an der Walserstrasse 2 in St. Gallen präsentiert sich als ein Gastronomiebetrieb mit zwei extrem unterschiedlichen Gesichtern. Die Kundenerfahrungen deuten auf eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Potenzial der Küche und der tatsächlichen Ausführung, insbesondere im Bereich des Lieferservices und der Kundenbetreuung. Für potenzielle Gäste ergibt sich daraus ein Bild, das von kulinarischen Höhepunkten bis hin zu tiefen Enttäuschungen reicht und eine sorgfältige Abwägung erfordert.
Ein Paradies für Liebhaber grosser Portionen
Ein unbestreitbares Highlight und wiederkehrendes Lob in den positiven Bewertungen ist die Qualität und vor allem die Grösse der Portionen. Insbesondere das Cordon Bleu wird als Aushängeschild des Hauses beschrieben. Gäste, die dieses Gericht bestellt haben, berichten von einer «riesengrossen» und qualitativ hochwertigen Zubereitung, die als «richtig lecker» empfunden wird. Solche Schilderungen lassen darauf schliessen, dass die Küche im Kern ihr Handwerk versteht und in der Lage ist, beeindruckende Gerichte der Schweizer Küche auf den Teller zu bringen. Auch die Beilagen, wie die knusprigen Pommes Frites, werden für ihre perfekte Würzung und Zubereitung gelobt. Wer also auf der Suche nach einem üppigen Abendessen ist und Wert auf XXL Portionen legt, findet im Ricken potenziell eine sehr befriedigende Adresse. Der Eindruck entsteht, dass man hier für sein Geld eine beträchtliche Menge an Essen erhält, was das Preis-Leistungs-Verhältnis für manche Kunden attraktiv macht.
Die Kehrseite der Medaille: Service und Genauigkeit
So hoch das Lob für einzelne Gerichte ausfällt, so scharf ist die Kritik an anderen, fundamentalen Aspekten des Betriebs. Ein zentrales und wiederholt auftretendes Problem ist die mangelnde Genauigkeit bei den Bestellungen, was besonders beim Service Essen bestellen zum Tragen kommt. Die Berichte von Kunden sind hier alarmierend und detailliert. Ein Gast bestellte einen Wurst-Käse-Salat mit einer spezifischen französischen Sauce und erhielt stattdessen eine abweichende, garnierte Variante mit einer bereits untergemischten, falschen Sauce. Solche Fehler sind ärgerlich, doch noch gravierender sind Vorfälle, die diätetische oder ethische Ernährungsweisen betreffen.
Besonders kritisch ist die Erfahrung eines Vegetariers, der Reis mit Gemüse bestellte und in seinem Gericht «viel Fleisch» vorfand. Ein solcher Fehler ist nicht nur ein Ärgernis, sondern ein absolutes No-Go in der modernen Gastronomie und untergräbt das Vertrauen von Kunden mit speziellen Ernährungsbedürfnissen nachhaltig. Für Personen mit Allergien könnte ein solcher Fehler sogar gesundheitliche Folgen haben. Diese Vorfälle deuten auf systematische Schwächen in der internen Kommunikation zwischen Bestellannahme und Küche oder auf eine generelle Sorglosigkeit im Zubereitungsprozess hin. Das gesamte Restaurant-Erlebnis wird durch solche wiederholten Fehler stark beeinträchtigt.
Der Kundenservice im Kreuzfeuer der Kritik
Eng verbunden mit den Problemen bei der Bestellgenauigkeit ist der Umgang des Personals mit Reklamationen. Hier zeichnen die Bewertungen ein besonders negatives Bild. Ein Kunde, der eine Falschlieferung erhielt, beschreibt den anschliessenden Kontakt mit dem Personal als extrem frustrierend. Anstatt auf die Beschwerde einzugehen, sei man am Telefon unfreundlich abgewimmelt worden. Die Mitarbeiter hätten den Fehler schlichtweg geleugnet und das Gespräch schliesslich durch Auflegen beendet. Selbst die Einschaltung einer externen Plattform wie Eat.ch, die dem Kunden anhand von Fotobeweisen Recht gab, konnte das Restaurant nicht dazu bewegen, den Fehler einzugestehen. Dieses Verhalten zeugt von einem tiefgreifenden Mangel an Professionalität und Kundenorientierung. Ein unfreundliches Personal, das Fehler nicht eingestehen kann, zerstört jegliches Vertrauen und hinterlässt bei den betroffenen Kunden ein Gefühl der Ohnmacht und des Ärgers. Ein solches Vorgehen ist für ein dienstleistungsorientiertes Unternehmen langfristig nicht tragbar.
Preisliche Entwicklung und Wahrnehmung
Ein weiterer Kritikpunkt, der von Stammkunden geäussert wird, betrifft die Preisentwicklung. Ein Gast merkt an, dass die Preise «langsam nicht mehr verhältnismässig» seien. Konkret wird das Beispiel des beliebten Cordon Bleu angeführt, dessen Preis über einen Zeitraum von etwa einem Jahr schrittweise von 25 auf 33 Franken erhöht wurde. Während Preisanpassungen in der Gastronomie nicht unüblich sind, scheint diese Erhöhung in den Augen mancher Kunden die Grenze des Akzeptablen zu überschreiten. Eine solche Preissteigerung, kombiniert mit den erwähnten Service- und Qualitätsschwankungen, führt unweigerlich zu einer Neubewertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Ein Gast fasst diese Entwicklung prägnant zusammen: Früher sei das Angebot top gewesen, heute sei es die Hälfte des Angebots, weniger gut, zum doppelten Preis und mit dreimal so langer Lieferzeit. Diese Wahrnehmung deutet auf eine negative Entwicklung hin, die langjährige Kunden verprellt.
Fazit: Eine risikoreiche Wahl
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Restaurant Ricken in St. Gallen eine polarisierende Erfahrung bietet. Auf der einen Seite steht das Versprechen auf äusserst grosszügige und schmackhafte Gerichte, insbesondere aus dem Bereich der gutbürgerlichen Gerichte, die Liebhaber deftiger Speisen begeistern können. Wer Glück hat, erhält eine qualitativ hochwertige Mahlzeit, die satt und zufrieden macht. Auf der anderen Seite steht jedoch ein erhebliches Risiko. Die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Bestellung zu erhalten, ist den Berichten zufolge nicht zu vernachlässigen. Besonders alarmierend ist der Umgang mit solchen Fehlern, der von Unfreundlichkeit und mangelnder Einsicht geprägt zu sein scheint. Kunden, insbesondere solche mit speziellen Diätvorschriften wie Vegetarier, sollten sich dieses Risikos bewusst sein. Die Preissteigerungen verstärken den kritischen Eindruck zusätzlich. Das Ricken ist somit eine Wahl für risikofreudige Esser: Man kann eine hervorragende Mahlzeit erhalten, aber ebenso gut eine grosse Enttäuschung erleben.