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Restaurant Zum See

Restaurant Zum See

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Zum See 24, 3920 Zermatt, Schweiz
Restaurant Schweizerisches Restaurant
9.6 (1140 Bewertungen)

Im Weiler Zum See, einem idyllischen Flecken oberhalb von Zermatt, befand sich fast vier Jahrzehnte lang eine gastronomische Institution, die weit über die Grenzen des Wallis hinaus bekannt war: das Restaurant Zum See. In einem über 350 Jahre alten Chalet beheimatet, war es mehr als nur ein Ort zum Essen; es war ein Ziel für Wanderer, Skifahrer und Feinschmecker, die eine authentische und zugleich exzellente Küche in einer unvergleichlichen Umgebung suchten. Doch jede Ära findet einmal ein Ende, und so schloss das von der Familie Mennig geführte Haus im April 2024 endgültig seine Türen, als die Gründer Max und Greti Mennig in den wohlverdienten Ruhestand traten. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Juwel der Alpengastronomie, dessen Stärken und wenige Schwächen es zu einem unvergesslichen Ort machten.

Das kulinarische Erbe: Eine ehrliche und erstklassige Küche

Der Kern des Erfolgs des Restaurant Zum See war zweifellos die kulinarische Philosophie von Max Mennig und seinem Team. Die Küche wurde oft als "ehrlich", "traditionell" und von "erstklassiger Qualität" beschrieben. Hier ging es nicht um kurzlebige Trends, sondern um die Perfektion bewährter Gerichte, zubereitet mit den besten verfügbaren Zutaten. Die Speisekarte war eine beeindruckende Mischung aus Walliser Klassikern, mediterranen Einflüssen und französischer Raffinesse. Besonders bemerkenswert war das Angebot an frischem Fisch und Meeresfrüchten, was für ein Bergrestaurant auf über 1700 Metern Höhe alles andere als selbstverständlich ist. Täglich frische Lieferungen aus Zürich ermöglichten Gerichte wie mediterrane Fischsuppe, Wolfsbarsch oder Seezunge von einer Qualität, die selbst an der Küste ihresgleichen gesucht hätte.

Einige Gerichte erlangten über die Jahre Kultstatus. Allen voran die hausgemachten Nudeln mit Kalbsmilken an Morchelsauce – ein Signature Dish, das von Kennern in höchsten Tönen gelobt wurde. Auch Klassiker wie Kalbsnierchen, Lammkarree oder eine helle Kalbsbolognese zeugten von grosser Handwerkskunst. Doch die vielleicht berühmteste Kreation war eine Nachspeise: die Crèmeschnitte (Millefeuille). Dieses Dessert war so legendär, dass man es oft im Voraus reservieren musste, um sicherzugehen, eines zu bekommen. Diese konsequente Ausrichtung auf Qualität brachte dem Haus nicht nur eine treue Stammkundschaft, sondern auch anerkannte Auszeichnungen wie 15 GaultMillau-Punkte ein, was seine Position in der Liga der gehobenen Küche festigte.

Ambiente und Atmosphäre: Rustikaler Charme trifft auf Exklusivität

Das Erlebnis im Zum See begann lange vor dem ersten Bissen. Der etwa 40-minütige Fussmarsch von Zermatt durch die malerische Landschaft war bereits Teil des Ganzen und schärfte die Vorfreude. Angekommen im Weiler, empfing einen das historische Holzchalet mit seinem urchigen und heimeligen Charme. Im Inneren sorgten niedrige, holzgetäfelte Decken und kleine Fenster für eine intime, gemütliche Atmosphäre, die einen sofort in eine andere Zeit versetzte. Bei schönem Wetter war jedoch die grosse Terrasse mit Aussicht der begehrteste Ort. Mit 120 Plätzen bot sie einen spektakulären Blick auf das Matterhorn und die umliegende Bergwelt, was das Mittagessen zu einem unvergesslichen Erlebnisgastronomie-Moment machte. Der Service, oft persönlich von der Familie Mennig geführt, wurde durchweg als ausserordentlich freundlich, aufmerksam und professionell beschrieben, was das Gefühl, ein willkommener Gast zu sein, perfekt abrundete.

Die Kehrseite der Medaille: Exklusivität hat ihren Preis

Trotz der überwältigend positiven Aspekte gab es auch Faktoren, die das Restaurant nicht für jedermann zugänglich machten. Der offensichtlichste Punkt ist die nun permanente Schliessung, die für viele treue Gäste einen grossen Verlust darstellt. Aber auch zu Betriebszeiten gab es Hürden. Die Lage, so idyllisch sie auch war, stellte für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein klares Hindernis dar. Das Restaurant war nicht barrierefrei zugänglich, was den Besuch für einige potenzielle Gäste von vornherein ausschloss.

Ein weiterer Aspekt war das Preisniveau. Mit einer Einstufung im oberen Segment (Price Level 3) war ein Besuch im Zum See eine kostspielige Angelegenheit. Die hohe Qualität der Produkte, die aufwendige Logistik und der exzellente Service rechtfertigten zwar die Preise, machten das Restaurant aber zu einem Ort für besondere Anlässe und nicht für ein spontanes, günstiges Mittagessen. Die Beliebtheit führte zudem dazu, dass eine Reservierung, besonders in der Hochsaison und an sonnigen Tagen auf der Terrasse, absolut unerlässlich war. Spontane Besuche waren oft zum Scheitern verurteilt. Diese Exklusivität, obwohl Teil des Reizes, bedeutete auch, dass man einen Besuch gut planen musste und er nicht für jedes Budget geeignet war.

Ein Fazit: Das Vermächtnis einer Zermatter Legende

Das Restaurant Zum See war über 40 Jahre lang ein Leuchtturm in der Zermatter Gastronomielandschaft. Es verkörperte die perfekte Symbiose aus traditioneller Küche auf höchstem Niveau und einer authentischen, alpinen Atmosphäre. Die Familie Mennig schuf einen Ort, der sowohl Einheimische als auch internationale Gäste anzog und mit Beständigkeit und Herzlichkeit überzeugte. Die negativen Aspekte wie die schwere Zugänglichkeit und die hohen Preise waren letztlich nur die logische Konsequenz seines exklusiven Anspruchs und seiner einzigartigen Lage. Die endgültige Schliessung markiert das Ende einer Ära. Für alle, die das Vergnügen hatten, dort zu speisen, bleibt die Erinnerung an eine herausragende kulinarische Erfahrung. Für alle anderen bleibt es die Geschichte eines der besten Bergrestaurants, das die Schweiz je hatte – ein Vermächtnis, das in den Annalen der Gourmet-Restaurants von Zermatt fest verankert ist.

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