Mura
ZurückIn der Fröhlichstrasse im Zürcher Seefeld hat sich ein japanisches Restaurant etabliert, das einen sehr spezifischen und fokussierten Ansatz verfolgt: das Mura. Geführt von Küchenchef Kenichi Arimura, der seine Expertise bereits in renommierten Lokalen wie dem «Sushi Shin» und dem «Edomae» unter Beweis stellte, konzentriert sich dieses kleine Lokal auf eine der authentischsten Formen der japanischen Gastronomie – das Omakase. Mit nur etwa 16 Sitzplätzen schafft das Mura eine intime, fast private Atmosphäre, die sich deutlich von grösseren, geschäftigeren Etablissements abhebt und oft als «Wohnzimmer-Atmosphäre» beschrieben wird.
Das Herzstück: Das Omakase Menü
Der Abend im Mura steht ganz im Zeichen des Vertrauens. Das Omakase Menü, was übersetzt so viel heisst wie «Ich überlasse es Ihnen», ist hier keine blosse Option, sondern das zentrale Konzept. Gäste geben die Kontrolle ab und begeben sich auf eine kulinarische Reise, die vom Chef persönlich kuratiert wird. Dieses Menü, bestehend aus zehn bis zwölf Gängen, wechselt saisonal, um stets die frischesten und besten verfügbaren Produkte zu verarbeiten. Die Gerichte, die serviert werden, sind ein Zeugnis von Arimuras Philosophie, die auf Perfektion und nicht auf das Rampenlicht abzielt. Beispiele aus vergangenen Menüs zeigen die Bandbreite und Kreativität: von erfrischenden Somen-Kartoffel-Nudeln in einer kalten Uma-Dashi-Brühe über eine geschmorte Feige in intensiver Sesamsauce bis hin zu exquisitem Sushi und Sashimi, bei dem auch Edelfische wie Thunfischbauch zum Einsatz kommen. Ein wiederkehrendes Highlight und mittlerweile ein Signature Dish des Hauses sind die mit Matcha verfeinerten Soba-Nudeln, serviert mit dreierlei Wagyu-Rind – ein Gericht, das die Menüwechsel überdauert hat und bei Kennern besonders beliebt ist.
Die Qualität und das Ambiente als Stärken
Die durchweg hohen Bewertungen, die das Mura erhält, gründen sich vor allem auf zwei Pfeiler: die herausragende Qualität der Speisen und das besondere Ambiente. Besucher loben einstimmig das hochwertige Essen, die ausbalancierten Aromen und die kunstvolle Präsentation. Es ist ein Ort für ein kulinarisches Erlebnis, das Zeit und Aufmerksamkeit erfordert. Die Atmosphäre wird als ruhig, gemütlich und familiär beschrieben, untermalt von klassischer japanischer Musik – eine wahre Genussoase abseits der Hektik der Stadt. Der Service wird ebenfalls oft als professionell, sympathisch und sehr freundlich hervorgehoben. Eine besondere Wertschätzung erfährt die gut sortierte Sake Auswahl, bei der Gäste die Möglichkeit haben, verschiedene Sorten vor der finalen Wahl zu probieren – ein Detail, das den hohen Serviceanspruch unterstreicht.
Mittags ein anderes Gesicht: Die Bento-Box
Während der Abend dem ausgedehnten Omakase-Erlebnis gewidmet ist, zeigt das Mura zur Mittagszeit eine andere, aber nicht minder hochwertige Seite. Hier stehen kunstvoll arrangierte Bento-Boxen im Mittelpunkt, die ein ganzes Menü in einer Schachtel vereinen. Von Sashimi über cremige Maiskroketten, Tamagoyaki (japanisches Omelett) bis hin zu einer Hauptkomponente wie Chicken Teriyaki oder gebratenem Lachs bieten diese Boxen einen umfassenden Einblick in die Vielfalt der japanischen Küche. Ergänzt wird das Mittagsangebot durch erstklassige Reisgerichte wie «Tenju» mit knusprigem Tempura oder «Unaju» mit gegrilltem Süsswasseraal. Damit positioniert sich das Mura auch als eine exzellente Adresse für ein anspruchsvolles Mittagessen.
Kritische Aspekte und was man bedenken sollte
Trotz des überwältigend positiven Echos gibt es Aspekte, die potenzielle Gäste berücksichtigen sollten. Ein wiederkehrender Punkt ist die Dauer des Abendessens. Ein Omakase-Menü im Mura ist keine schnelle Mahlzeit; Gäste sollten sich auf ein Erlebnis von drei bis vier Stunden einstellen. Während viele dies als Teil des entschleunigten Genusses schätzen, empfanden es einige Besucher als übermässig lang. Kritische Stimmen berichten von langen Wartezeiten zwischen den Gängen, die den Fluss des gemeinsamen Essens stören können. Ein Beispiel hierfür war ein Gang mit Jakobsmuscheln, bei dem der Grill an den Tisch gebracht und jede Portion einzeln zubereitet wurde, was zu erheblichen Verzögerungen für die Gäste am selben Tisch führte. In Einzelfällen verliessen Gäste sogar das Restaurant vor dem Ende des Menüs.
Auch bei der Menügestaltung gehen die Meinungen auseinander. Während die meisten die Kreativität und den frischen Fisch loben, gab es auch Erfahrungen, bei denen das Menü als zu einfach oder repetitiv empfunden wurde, etwa durch die mehrfache Verwendung von Lachs. Ebenso wurde der Service, obwohl meist als exzellent beschrieben, von manchen Gästen als für ein japanisches Restaurant dieser Kategorie erstaunlich unaufmerksam wahrgenommen. Ein weiterer Kritikpunkt, der vereinzelt geäussert wurde, betrifft das Dessert, das in einem Fall als simple Früchteplatte als unpassender Abschluss eines ansonsten elaborierten Menüs empfunden wurde. Allerdings widersprechen dem Berichte über kreative Desserts wie Matcha-Cheesecake mit Yuzusorbet oder Ume-Sorbet mit einem Mochi aus Sake-Kasu, was auf eine variierende Qualität oder Konzeption in diesem Bereich hindeuten könnte.
Für wen ist das Mura geeignet?
Das Mura ist kein Allrounder, sondern ein Spezialist. Es richtet sich an Liebhaber der gehobenen Küche, die ein authentisches, vom Chef bestimmtes japanisches Essen suchen und bereit sind, sich Zeit dafür zu nehmen. Wer einen Abend ohne Eile verbringen und sich auf eine kulinarische Überraschungsreise begeben möchte, ist hier genau richtig. Die Notwendigkeit einer Reservierung ist aufgrund der geringen Tischzahl selbsterklärend. Man sollte sich auch der Philosophie des Hauses bewusst sein: Der Chef ist in seinen Abläufen und Planungen sehr präzise, was sich in einer gewissen Unflexibilität äussern kann, beispielsweise bei der kurzfristigen Aufnahme zusätzlicher Personen. Für ein schnelles Abendessen, grosse, laute Gruppen oder Gäste, die gerne à la carte wählen, ist das Mura konzeptionell nicht die passende Wahl. Es ist ein Ort für den geduldigen Geniesser, der die Kunstfertigkeit und die Vision des Kochs in den Mittelpunkt stellt.