LEO Restaurant & Bar
ZurückAuf dem Dach des Globus-Warenhauses an der Zürcher Schweizergasse befindet sich das LEO Restaurant & Bar, ein Lokal, das sich zum Ziel gesetzt hat, italienisches Lebensgefühl über den Dächern der Stadt zu zelebrieren. Mit seiner erstklassigen Lage, einer stilvollen Einrichtung und dem Versprechen, Restaurant, Bar und Club zu vereinen, zieht es ein breites Publikum an. Die Erfahrungen der Gäste zeichnen jedoch ein Bild voller Kontraste, das zwischen kulinarischen Höhenflügen und tiefen Enttäuschungen schwankt. Ein genauerer Blick auf die verschiedenen Facetten des LEO offenbart Stärken, aber auch erhebliche Schwächen, die potenzielle Besucher kennen sollten.
Das kulinarische Angebot: Ein zweischneidiges Schwert
Die Speisekarte des LEO verspricht authentische italienische Küche, von Antipasti bis hin zu klassischen Hauptgerichten. Ein Gericht scheint dabei konstant zu überzeugen: die Pizza. Mehrere Besucher heben die Qualität der Pizza hervor, insbesondere die „Pizza ALBA“ wird namentlich als herausragend gelobt. Dies deutet darauf hin, dass der Pizzaofen von erfahrenen Händen bedient wird und hier ein verlässlicher Genuss zu finden ist. Für Liebhaber einer guten Pizza könnte das LEO also durchaus eine sichere Wahl sein. Es gibt auch Berichte über rundum gelungene Abende, an denen das Essen als „hervorragend, frisch und geschmackvoll“ beschrieben wird, was zeigt, dass die Küche durchaus in der Lage ist, auf hohem Niveau zu arbeiten.
Allerdings steht diesem Lob eine ebenso vehemente Kritik gegenüber, die sich vor allem auf die Pasta-Gerichte konzentriert. Beschreibungen wie „verklumpt“, „unappetitlich“ und „geschmacklich komisch“ tauchen in den Bewertungen wiederholt auf. Ein Gast, der sich als langjähriger Stammkunde bezeichnet, berichtet von einer Tagliatelle, bei der der Trüffel kaum wahrnehmbar war und die Nudeln so verklebt waren, wie es selbst in der heimischen Küche nicht passieren sollte. Diese massive Inkonsistenz in der Qualität der Speisen ist eine der grössten Schwachstellen des LEO. Während ein Gast ein exzellentes Abendessen geniesst, verlässt ein anderer das Restaurant mit dem Gefühl, ein schlecht zubereitetes Gericht erhalten zu haben. Auch die Cocktails werden kritisiert; sie seien oft zu süss, mit zu viel Sirup und zu wenig Alkohol zubereitet, was eher an eine Limonade als an einen hochwertigen Drink erinnert.
Ambiente und Service: Zwischen stilvollem Genuss und chaotischem Nachtleben
Das Ambiente des LEO wird fast durchweg als positiv beschrieben. Die Einrichtung sei „stilvoll“, „wunderschön“ und „einladend“. Die Rooftop-Lage mit Blick über Zürich ist zweifellos ein Alleinstellungsmerkmal und trägt zu einer besonderen Atmosphäre bei. Doch die Harmonie wird oft durch einen entscheidenden Faktor gestört: die Metamorphose vom Restaurant zum Club. Viele Gäste berichten, dass ab einer gewissen Uhrzeit, oft schon gegen 20 Uhr, die Musik extrem laut wird und die Beleuchtung so stark gedimmt wird, dass man sein Essen kaum noch erkennen kann. Eine Unterhaltung am Tisch wird dann nahezu unmöglich.
Diese Entwicklung führt zu einer fundamentalen Identitätskrise. Wer ein gutes Restaurant für ein ruhiges Abendessen und anregende Gespräche sucht, wird hier besonders am späteren Abend enttäuscht. Gäste wurden trotz Reservation an Tische direkt neben dem DJ-Pult platziert, die sich später als Tanzfläche herausstellten. Dieses Vorgehen vermittelt den Eindruck, dass das Dinner-Geschäft nur ein Vorspiel für den profitableren Bar- und Clubbetrieb ist und die Bedürfnisse der Essensgäste in den Hintergrund treten.
Der Service ist ein weiterer Punkt, der stark polarisiert. Es gibt Berichte über „aufmerksames und freundliches Personal“, das den Gästen jeden Wunsch von den Augen abliest. Im krassen Gegensatz dazu stehen zahlreiche Schilderungen von chaotischen Zuständen. Gäste beschreiben, wie zwei verschiedene Kellner für denselben Tisch zuständig waren, ohne voneinander zu wissen, was zu Verwirrung und Fehlern führte. Bestellungen wie Wasser wurden komplett vergessen, und auf Teller für eine Vorspeise musste über zehn Minuten gewartet werden. Die Wartezeit auf den Hauptgang von 60 Minuten oder mehr scheint keine Seltenheit zu sein, wobei das Essen dann den Eindruck erweckt, schon länger unter einer Wärmelampe gestanden zu haben. Sprachbarrieren, bei denen das Servicepersonal kein Deutsch versteht, und eine als respektlos und unfreundlich empfundene Behandlung durch einzelne Barkeeper runden das negative Bild ab. Insbesondere bei der Abrechnung mit grösseren Gruppen soll es regelmässig zu chaotischen Szenen kommen.
Fazit: Ein Ort der Gegensätze mit hohem Risiko
Das LEO Restaurant & Bar ist ein Ort, der das Potenzial für unvergessliche Abende hat, dieses aber aufgrund gravierender und wiederkehrender Mängel oft nicht ausschöpft. Die Stärken sind offensichtlich: eine exzellente Lage, ein ansprechendes Design und eine Pizza, die höchsten Ansprüchen genügt. Die Idee, ein ganzheitliches Erlebnis vom Abendessen bis zur Party anzubieten, ist für eine bestimmte Zielgruppe sehr attraktiv.
Die Schwächen sind jedoch ebenso deutlich und wiegen schwer. Die extreme Inkonstistenz bei der Qualität der Speisen – insbesondere der Pasta – und im Service macht einen Besuch zu einem Glücksspiel. Das Kernproblem scheint die unklare Positionierung zwischen einem gehobenen Restaurant und einem lauten Partylokal zu sein. Für Gäste, die zum Essen kommen, fühlt es sich oft so an, als würden sie dem Nachtleben im Weg stehen. Die hohen Preise, die für eine solche Location in Zürich üblich sind, erscheinen angesichts der Mängel oft nicht gerechtfertigt. Wer auf der Suche nach einem der besten Restaurants in Zürich ist, sollte sich bewusst sein, dass das LEO diese Erwartung möglicherweise nicht erfüllt. Wer hingegen einen lebhaften Ort für eine gute Pizza sucht und bereit ist, über potenzielle Service- und Lärmprobleme hinwegzusehen, könnte hier einen passenden Abend verbringen. Letztendlich hängt die Erfahrung im LEO stark von den eigenen Erwartungen, dem gewählten Abend und einer guten Portion Glück ab.