Landhuus Frauenkirch
ZurückDas Landhuus Frauenkirch an der Landwasserstrasse 36 war über viele Jahre eine feste Grösse in der Davoser Gastronomielandschaft. Es fungierte nicht nur als Restaurant, sondern auch als heimelige Unterkunft. Doch wer heute einen Tisch reservieren oder ein Zimmer buchen möchte, wird enttäuscht: Der Betrieb ist seit April 2024 dauerhaft geschlossen. Dies ist der zentralste und bedauerlichste Punkt in jeder aktuellen Betrachtung dieses Hauses. Es handelt sich jedoch nicht um eine Schliessung aus wirtschaftlicher Not, sondern um den wohlverdienten Ruhestand der langjährigen Gastgeber, was der Geschichte einen bittersüssen, aber versöhnlichen Abschluss verleiht.
Ein Zentrum der Gastfreundschaft und Tradition
Mit einer herausragenden Bewertung von 4.7 Sternen aus über 225 Rezensionen war das Landhuus unverkennbar ein Ort, an dem sich Gäste ausserordentlich wohlfühlten. Die Kommentare zeichnen ein klares Bild eines Betriebs, der von Herzen geführt wurde. Gäste beschrieben die Atmosphäre durchweg als „gemütlich“ und „einladend“, ein Verdienst des persönlichen und ausnahmslos freundlichen Services, für den die Gastgeberin Carina und ihr Team immer wieder namentlich gelobt wurden. Ein Gast erwähnte, dass er seit 1993 immer wieder komme – eine solche jahrzehntelange Treue ist der grösste Beweis für beständige Qualität und eine tief verwurzelte Gastfreundschaft.
Das kulinarische Erlebnis: Ehrliche Schweizer Küche
Im Mittelpunkt des Lobes stand stets das kulinarische Erlebnis. Das Landhuus war bekannt für seine „sehr gutbürgerliche Küche“ und legte grossen Wert auf regionale Gerichte zu fairen Preisen. Die Speisekarte konzentrierte sich auf authentische, qualitativ hochwertige Gerichte, die tief in der Bündner Tradition verwurzelt sind. Obwohl keine spezifischen Menüs mehr einsehbar sind, kann man davon ausgehen, dass Klassiker der Schweizer Küche wie Capuns, Pizokel oder Maluns hier in meisterhafter Form zubereitet wurden, ergänzt durch Spezialitäten wie Bündnerfleisch. Das Versprechen, frische und meist einheimische Produkte zu verwenden, war hier keine leere Marketingphrase, sondern gelebte Philosophie. Für viele war ein Besuch im Landhuus ein Synonym für gut essen in einem ungezwungenen, aber gepflegten Rahmen.
Mehr als nur ein Restaurant: Unterkunft und Kulturort
Das Landhuus war nicht nur ein Ziel für alle, die in Davos essen gehen wollten, sondern bot auch gemütliche und saubere Zimmer für Übernachtungsgäste. Besonders die nach hinten ausgerichteten Zimmer wurden für ihre Ruhe geschätzt. Annehmlichkeiten wie kostenloses Frühstück und WLAN waren selbstverständlich. Ein entscheidender Vorteil, der oft hervorgehoben wurde, war die exzellente Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Die Bushaltestelle direkt vor der Haustür machte das Landhuus zu einem idealen Ausgangspunkt und ermöglichte es den Gästen, das Auto stehen zu lassen und bedenkenlos ein Glas Wein zum Abendessen zu geniessen – ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt in einer Ferienregion.
Einzigartige Atmosphäre durch Live-Musik
Ein besonderes Merkmal, das das Landhuus von vielen anderen Betrieben abhob, waren die regelmässig stattfindenden Konzerte. Von Ländlermusik über Alphornklänge bis hin zu Country-Bands – die musikalischen Darbietungen verwandelten das Restaurant in einen lebendigen sozialen Treffpunkt. Der 1994 eigens angebaute, akustisch ausgerichtete Speisesaal bot den perfekten Rahmen für diese Anlässe. Diese Verbindung von Gastronomie und Kultur schuf eine einzigartige, unvergessliche Atmosphäre und machte das Landhuus zu einer Institution, die weit mehr bot als nur Speis und Trank. Es war ein Ort der Begegnung und der gelebten Tradition.
Die Realität: Das Ende einer Ära
Der einzige wirkliche negative Aspekt, der über das Landhuus Frauenkirch zu berichten ist, ist seine permanente Schliessung. Für die Stammgäste, die lokale Gemeinschaft und für zukünftige Besucher von Davos ist dies ein echter Verlust. Ein Haus mit einer so langen Geschichte – die Anfänge reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück – und einer so starken persönlichen Prägung hinterlässt eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird. Die Tatsache, dass das Haus über drei Generationen von derselben Familie geführt wurde, bevor es von Carina Ambühl weitergeführt wurde, unterstreicht die tiefe Verwurzelung und die besondere Seele dieses Ortes. Es gibt keine Berichte über Mängel in Service, Sauberkeit oder Qualität. Die einzige Kritik, die man mit viel Wohlwollen formulieren könnte, wäre die Lage etwas ausserhalb des Zentrums von Davos Platz. Doch selbst dieser Punkt wurde durch die hervorragende Busverbindung effektiv entkräftet und von vielen Gästen sogar als Vorteil empfunden, da er Ruhe und eine authentischere Umgebung bot.
Ein Fazit mit Wehmut
Zusammenfassend war das Landhuus Frauenkirch ein Paradebeispiel für ein exzellent geführtes, traditionelles Gasthaus. Es bot eine hervorragende traditionelle Küche, einen warmherzigen Service und eine gemütliche Atmosphäre, die durch kulturelle Veranstaltungen bereichert wurde. Es war ein Restaurant, das seine Gäste als Freunde behandelte und über Jahrzehnte hinweg begeisterte. Sein Vermächtnis sind die unzähligen positiven Erinnerungen seiner Besucher. Die Schliessung markiert das Ende einer Ära, und man kann nur hoffen, dass der Geist dieser Gastfreundschaft in Davos an anderer Stelle weiterlebt.