La Carretta
ZurückAn der Talstrasse 2 in Davos befand sich über 20 Jahre lang ein Betrieb, der für viele Einheimische und Touristen ein fester Bestandteil der lokalen Gastronomie war: das La Carretta. Als kleines, familiär geführtes Restaurant verkörperte es den Charme der klassischen italienischen Küche, gepaart mit Bündner Spezialitäten. Heute deuten alle verfügbaren Informationen darauf hin, dass dieses Lokal seine Türen dauerhaft geschlossen hat, was Anlass für eine differenzierte Betrachtung dessen gibt, was das La Carretta ausmachte – mit all seinen Stärken und Schwächen.
Das kulinarische Angebot: Zwischen Lob und Tadel
Die Speisekarte des La Carretta war ein Spiegelbild seiner Identität: eine Mischung aus italienischen Klassikern und regionalen Gerichten. Gäste konnten zwischen einer Vielzahl von Pizzen, hausgemachter Pasta wie Ravioli, Fleischgerichten wie Saltimbocca oder Lammkarree und knackigen Salaten wählen. Ergänzt wurde das Angebot durch Schweizer Spezialitäten wie Rösti mit Raclette und Speck oder eine wärmende Gerstensuppe, was eine breite Zielgruppe ansprechen sollte. Diese Vielfalt wurde von vielen geschätzt, da sie für jeden Geschmack etwas bereithielt. Die Zutaten wurden als frisch und von hoher Qualität beschrieben, und die Portionen galten als grosszügig.
Besonders die Pizza fand oft lobende Erwähnung. Ein Gast beschrieb seine Pizza als „unglaublich lecker“ mit frischen, hochwertigen Zutaten, perfekt geschmolzenem Käse und einer Kruste mit idealer Konsistenz. Dies ist ein hohes Lob für jede Pizzeria und deutet darauf hin, dass die Grundlagen des Handwerks beherrscht wurden. Auch andere Gerichte wie Bruschetta, Pasta und Desserts wurden positiv hervorgehoben und als „einfach super“ in der Zubereitung bezeichnet.
Jedoch war das kulinarische Erlebnis nicht für alle Gäste durchweg positiv. Es gibt Berichte über deutliche Schwankungen in der Qualität. So kritisierte ein Besucher, dass seine Pizza zwar aussen knusprig, in der Mitte aber feucht und durchhängend war, was er als enttäuschend empfand. Ein wiederkehrender Kritikpunkt in einigen Bewertungen war die Würzung der Speisen. Ein Gast berichtete von einem Erlebnis, bei dem sowohl das Truten-Rahmschnitzel als auch das Rösti-Gericht als „sehr sehr salzig“ empfunden wurden. Eine übermässige Salzung kann ein Gericht schnell ungeniessbar machen und zeugt von mangelnder Sorgfalt in der Küche. Zudem wurde eine Tomatensuppe als sehr scharf serviert, ohne dass dies auf der Speisekarte vermerkt war – ein potenzielles Problem, insbesondere wenn Kinder mitessen. Diese Erfahrungen zeigen, dass trotz vieler positiver Rückmeldungen eine gewisse Inkonsistenz in der Küchenleistung bestand.
Ambiente und Service: Das Herz des Betriebs
Wo das La Carretta fast durchweg punkten konnte, war beim Service und der Atmosphäre. Das Lokal wurde als „klein und gemütlich“ beschrieben, ein Ort, an dem man sich willkommen fühlte. Mit Platz für etwa 40 bis 45 Personen und einem separaten Stübli für kleinere Gesellschaften bot es einen intimen Rahmen. Die Einrichtung war rustikal, mit Holztischen und zahlreichen Bildern an den Wänden, was zum familiären Charakter beitrug. Eine Besonderheit waren die vielen Fotos des Inhabers Antonio mit prominenten Persönlichkeiten, vermutlich aus der Zeit des World Economic Forum (WEF). Dies verlieh dem Restaurant eine persönliche und einzigartige Note, die von vielen Gästen geschätzt wurde.
Der Service wird in den Bewertungen einstimmig als eine der grössten Stärken des La Carretta hervorgehoben. Begriffe wie „super freundlich“, „aufmerksam“, „herzlich“ und „zuvorkommend“ fallen immer wieder. Das Personal, oft vom Inhaber selbst angeführt, schien eine echte Leidenschaft für die Gastronomie zu haben und sorgte dafür, dass sich die Gäste wohlfühlten. Diese persönliche und warmherzige Betreuung ist typisch für einen Familienbetrieb und war zweifellos ein Hauptgrund, warum viele Gäste immer wieder kamen. Ein solch exzellenter Service kann oft kleinere Mängel in anderen Bereichen ausgleichen und hinterlässt einen bleibenden positiven Eindruck.
Preisgestaltung und Preis-Leistungs-Verhältnis
Die Preisgestaltung im La Carretta war ein weiterer Aspekt, der zu unterschiedlichen Meinungen führte. Mit einem offiziellen Preisniveau von 2 (moderat) wurde es von einigen Gästen als fair und vernünftig eingestuft. Andere wiederum empfanden die Preise, insbesondere im Vergleich zu anderen italienischen Restaurants, als „im gehobenen Segment“ angesiedelt. Diese Diskrepanz in der Wahrnehmung ist in einem Tourismusort wie Davos nicht ungewöhnlich. Die Betriebskosten sind hier tendenziell höher, was sich unweigerlich auf die Preise auf der Speisekarte auswirkt. Ob das Preis-Leistungs-Verhältnis als angemessen empfunden wurde, hing letztlich stark von der individuellen Erfahrung mit der Qualität der Speisen und des Services ab. Wer eine perfekt zubereitete Mahlzeit und einen herausragenden Service erlebte, war eher bereit, einen höheren Preis zu akzeptieren als jemand, dessen Essen versalzen war.
Ein Fazit im Rückblick
Das La Carretta in Davos war über viele Jahre ein Restaurant mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite stand ein äusserst sympathischer Familienbetrieb mit einem unbestreitbar herzlichen und professionellen Service, der in einem gemütlichen Ambiente eine breite Auswahl an italienischen und Schweizer Gerichten anbot. Auf der anderen Seite gab es eine wahrnehmbare Inkonsistenz bei der Zubereitung der Speisen, die von „hervorragend“ bis „enttäuschend“ reichen konnte. Die Schliessung des La Carretta markiert das Ende einer Ära für ein Lokal, das trotz seiner Schwächen einen festen Platz in der Davoser Restaurant-Szene hatte. Es bleibt die Erinnerung an einen Ort, der vor allem durch seine menschliche Wärme und die Leidenschaft seiner Betreiber geprägt war.