Hummerbar
ZurückAn der prestigeträchtigen Bahnhofstrasse in Zürich gelegen, ist die Hummerbar seit ihrer Gründung im Jahr 1935 ein fester Bestandteil der lokalen Gastronomieszene. Als Teil des historischen Hotels St. Gotthard hat sich das Restaurant einen Namen für klassische französische Küche mit einem klaren Fokus auf hochwertige Meeresfrüchte gemacht. Das Ambiente verspricht mit seinem holzgetäfelten Interieur im Art-déco-Stil und Live-Klaviermusik ein elegantes und traditionsbewusstes Erlebnis. Doch die Erfahrungen der Gäste zeichnen ein komplexes Bild, das zwischen kulinarischer Exzellenz und enttäuschenden Service-Lücken schwankt.
Das kulinarische Versprechen: Ein Fest für Liebhaber von Meeresfrüchten
Die Speisekarte der Hummerbar liest sich wie eine Hommage an die Klassiker der Ozeane. Im Mittelpunkt stehen, wie der Name schon sagt, Hummer und Austern. Viele Gäste schwärmen von der hervorragenden Qualität dieser Spezialitäten. Berichte über zarten Hummer und frische Guillardon-Austern von exzellenter Güteklasse bestätigen den Ruf des Hauses als erstklassiges Fischrestaurant. Ergänzt wird das Angebot durch Gerichte wie Bouillabaisse "St. Gotthard", diverse Fischspezialitäten, aber auch Fleischgerichte wie Chateaubriand und verschiedene Pasta-Variationen. Die Küche wird als traditionell und doch innovativ beschrieben, mit einem mediterranen Akzent, der die französische Basis verfeinert. Positive Erwähnungen finden auch die Desserts, insbesondere die Torte und die am Tisch flambierten Crêpes Suzette, die als Geheimtipp gelten. Eine umfangreiche Weinkarte, die besonders bei den Weissweinen eine grosse Auswahl bietet, rundet das potentielle Gourmet-Erlebnis ab und sorgt für die passende Begleitung zu den Gerichten.
Ambiente und Atmosphäre: Ein Sprung in die Vergangenheit
Das Interieur der Hummerbar hat seine Originaldekoration über die Jahrzehnte bewahrt und strahlt eine warme, gediegene Atmosphäre aus. Es wird als "elegant und gemütlich" oder auch "schummrig" beschrieben, was in Kombination mit der Live-Musik am Flügel eine romantische und einladende Stimmung schaffen kann. Dieses Festhalten an der Tradition wird von vielen geschätzt, die dem modernen, oft unterkühlten Design anderer Lokale entfliehen möchten. Es ist ein Ort, der Geschichte atmet und an dem schon Filmstars und Politiker zu Gast waren. Einige Besucher berichten jedoch auch, dass das Restaurant an einem Samstagabend überraschend leer war, was die ansonsten belebte Atmosphäre dämpfen kann.
Die Kehrseite: Wenn Service und Qualität nicht dem Preis entsprechen
Trotz der vielen positiven Aspekte gibt es eine beunruhigende Anzahl von Berichten, die auf erhebliche Mängel in Service und Ausführung hinweisen. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist der grösste Kritikpunkt, der von Gästen geäussert wird. Für ein Restaurant der gehobenen Küche und der entsprechenden Preisklasse – ein Hummergericht kann ohne Beilagen 170 CHF kosten – sind die geschilderten Vorfälle besonders gravierend.
Service-Mängel und Kommunikationsprobleme
Ein wiederkehrendes Thema sind Servicefehler, die von kleinen Nachlässigkeiten bis hin zu inakzeptablen Pannen reichen. So wurde einem Gast anstelle des bestellten Hummersalats eine Hummerbisque serviert. Um eine Verschwendung zu vermeiden, akzeptierte der Gast das Gericht, musste jedoch feststellen, dass es ungeniessbar, stark reduziert und klumpig war. Trotzdem wurde die Suppe vollumfänglich in Rechnung gestellt, ohne dass das Personal auf den kaum berührten Teller reagierte. Ein anderer Gast, der für ein Hummeressen reserviert hatte, musste bei der Ankunft erfahren, dass nicht genügend Hummer für alle Personen am Tisch verfügbar waren – ein Fauxpas, der bei einer Reservierung im Vorfeld hätte kommuniziert werden müssen.
Qualitätsschwankungen in der Küche
Auch die Küchenleistung scheint nicht immer konstant zu sein. Es gibt Berichte über Beilagen, die nicht den Erwartungen entsprechen: Ein Parmesanrisotto ohne Parmesan oder Pommes Alumettes, die weder knusprig noch warm waren. Ein Chateaubriand wurde, anders als auf der Speisekarte versprochen, nicht am Tisch tranchiert, sondern kam bereits aufgeschnitten auf kalten Tellern aus der Küche. Die Erklärung des Kellners, die Karte sei falsch, wirkt in einem Haus dieses Standards wenig professionell und kundenorientiert. Solche Erfahrungen stehen in starkem Kontrast zu den Lobeshymnen anderer Gäste und deuten auf ein Problem mit der Konstanz hin.
Das Fazit: Ein Erlebnis mit Risiko
Ein Besuch in der Hummerbar kann zwei sehr unterschiedliche Gesichter haben. Im besten Fall erwartet die Gäste ein unvergesslicher Abend mit exzellenten Meeresfrüchten, aufmerksamem Service und einem einzigartigen, historischen Ambiente. Wenn alles stimmt, fühlt sich der Gast wie ein König und der hohe Preis erscheint gerechtfertigt. Im schlimmsten Fall jedoch steht man vor einer teuren Enttäuschung, bei der weder die Qualität der Speisen noch der Service dem Ruf des Hauses gerecht werden. Potentielle Kunden, die in Zürich essen gehen und sich für die Hummerbar entscheiden, sollten sich dieser Diskrepanz bewusst sein. Es ist ein Ort, der das Potential für ein herausragendes kulinarisches Ereignis bietet, dieses aber nicht immer zuverlässig abruft.