Huguenin
ZurückDas Grand Café Huguenin am Barfüsserplatz 6 ist nicht einfach nur ein weiteres Restaurant in Basel; es ist eine Institution, die seit 1934 besteht und tief in der Geschichte der Stadt verwurzelt ist. Als klassisches Grand Café nach Wiener Vorbild verkörpert es eine aussterbende Art von Gastronomie, die auf Tradition, Ambiente und eine bestimmte Art von kultivierter Gemütlichkeit setzt. Der Name selbst, so wird vermutet, ist eine Hommage an die Hugenotten, jene protestantischen Flüchtlinge, die im 17. Jahrhundert in Basel Zuflucht fanden und die Stadt nachhaltig prägten. Diese historische Tiefe schwingt in den holzgetäfelten Wänden und dem eleganten Interieur mit und macht einen Besuch zu mehr als nur einer Mahlzeit.
Das Ambiente: Eine zeitlose Eleganz
Betritt man das Huguenin, fühlt man sich unweigerlich in eine andere Zeit versetzt. Besonders der erste Stock strahlt den Charme eines altehrwürdigen europäischen Kaffeehauses aus. Mit dunklem Parkett, edlen Marmortischen und kunstvoll gestalteten Stühlen bietet es eine Atmosphäre, die von Gästen als "wunderbar alt" und "aus der Zeit gefallen" beschrieben wird. Es ist ein Ort, der zum Verweilen einlädt, sei es nach einem Einkaufsbummel oder einem Museumsbesuch. Die grosszügige, auskragende Fensterfront im Obergeschoss ist nicht nur ein architektonisches Highlight des 1934 fertiggestellten "Barfüsserhofs", sondern bietet auch einen unschlagbaren, fast bühnenartigen Blick auf das pulsierende Leben am "Barfi", einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt. Insbesondere zur Weihnachtszeit entfaltet dieser Ort eine besondere Magie, wenn man von oben auf den Weihnachtsmarkt blicken kann. Im Erdgeschoss hingegen findet sich eine modern gestaltete Café-Bar mit einer Terrasse, die eine zeitgemässere, aber nicht minder einladende Alternative bietet.
Kulinarische Höhen und Tiefen: Ein zweischneidiges Schwert
Die Speisekarte des Huguenin verspricht eine Mischung aus klassischen Café-Angeboten und durchgehend warmer sowie kalter Küche. Der Ruf des Hauses gründet sich vor allem auf seine süssen Kreationen. Die Patisserie aus der hauseigenen Backstube wird von vielen Besuchern als "einwandfrei" und "äusserst solide" gelobt. Ob Rüblikuchen, Maronenpüree oder die grosse Auswahl an weiteren Süssgebäcken und Früchtekuchen – hier scheint das Huguenin seine grössten Stärken auszuspielen. Auch die Smoothies, Bowls und der hausgemachte Eistee finden grossen Anklang und werden von manchen als die "besten" der Stadt bezeichnet. Dazu gesellen sich Kaffeespezialitäten von einer traditionellen Rösterei aus Lugano und eine Auswahl an Tees, die stilvoll im Silberkännli serviert werden, was das Grand-Café-Erlebnis abrundet.
Ein kritisches Auge auf das Frühstück Basel
Trotz des grossen Lobs für die süssen Speisen zeichnen die Bewertungen ein deutlich widersprüchlicheres Bild, wenn es um das Frühstück geht. Hier prallen die Meinungen hart aufeinander. Während die offizielle Webseite mit "hausgemachten Croissants" und einer reichen Auswahl von Eiern mit Speck bis Rauchlachs wirbt, berichten einzelne Gäste von Erfahrungen, die diesem Anspruch diametral entgegenstehen. Eine besonders detaillierte negative Kritik beschreibt ein "miserabelstes Frühstück", bei dem Rühreier in der Mikrowelle aufgewärmt worden sein sollen, in Butter schwammen und trocken waren. Auch die Croissants wurden in diesem Fall als alt und nicht frisch empfunden. Solche Berichte stehen im scharfen Kontrast zu den Fünf-Sterne-Bewertungen und deuten auf eine erhebliche Inkonsistenz in der Küchenleistung hin. Für potenzielle Gäste bedeutet dies ein gewisses Risiko: Während der Kuchen am Nachmittag eine sichere Wahl zu sein scheint, könnte das warme Frühstück am Morgen eine Enttäuschung bereithalten.
Service: Zwischen aufmerksam und überfordert
Der Service im Huguenin wird ebenso unterschiedlich wahrgenommen wie das Essen. Viele Stammgäste und Besucher heben die freundliche, aufmerksame und bemühte Art des Personals hervor, die dem gediegenen Ambiente des Hauses entspricht. Die Bedienung wird oft als "erstklassig" und "zuvorkommend" beschrieben. Jedoch gibt es auch hier eine Kehrseite. Berichte über lange Wartezeiten, desinteressiertes oder sichtlich überfordertes Personal tauchen immer wieder auf. Insbesondere zu Stosszeiten scheint das Team an seine Grenzen zu geraten, was zu chaotischen Abläufen und frustrierten Gästen führen kann. Ein Gast beschreibt, wie er nach über 20 Minuten Wartezeit das Lokal verliess, ohne überhaupt eine Bestellung aufgeben zu können. Diese Diskrepanz legt nahe, dass das Erlebnis stark von der Tageszeit und dem Andrang abhängt.
Für wen ist das Huguenin geeignet?
Das Grand Café Huguenin ist zweifellos ein Muss für Liebhaber traditioneller Kaffeehauskultur. Wer die besondere Atmosphäre eines historischen Ortes schätzt, einen erstklassigen Blick auf den Barfüsserplatz geniessen möchte und sich bei einem Stück exzellentem Kuchen Basel entspannen will, wird hier mit hoher Wahrscheinlichkeit eine wunderbare Zeit verbringen. Es ist der ideale Treffpunkt für ein gediegenes Mittagessen oder einen Apéro nach dem Stadtbummel. Kritische Geister und Gäste, die einen durchgehend hohen Standard bei allen Gerichten – insbesondere bei einem frisch zubereiteten warmen Brunch Basel – erwarten, sollten ihre Erwartungen jedoch anpassen. Das Preisniveau wird als moderat für die zentrale Lage beschrieben, von manchen aber auch als "gesalzen" empfunden. Letztendlich ist das Huguenin ein Restaurant mit zwei Gesichtern: eine charmante, historische Institution, die unvergessliche Momente bescheren kann, aber auch durch schwankende Qualität bei Speisen und Service das Potenzial für Enttäuschungen birgt.