Gasthof zum Rössli Zollbrück
ZurückEin Rückblick auf den Gasthof zum Rössli Zollbrück: Eine Ära der Gastfreundschaft und ihr plötzliches Ende
Wer heute nach dem Gasthof zum Rössli in Zollbrück sucht, wird vor verschlossenen Türen stehen. Das traditionsreiche Haus am Bahnhofplatz 1 ist dauerhaft geschlossen. Diese Tatsache ist der wichtigste und zugleich bedauerlichste Punkt für jeden potenziellen Gast. Doch die Geschichte des Rössli, insbesondere in seiner jüngsten Vergangenheit, ist es wert, erzählt zu werden. Es ist die Geschichte eines Restaurants, das unter einer neuen, motivierten Führung zu einem kulinarischen Anziehungspunkt im Emmental aufblühte, nur um dann abrupt zu enden und eine Lücke in der lokalen Gastronomieszene zu hinterlassen.
Die zur Verfügung stehenden Gästebewertungen zeichnen ein einstimmiges und äusserst positives Bild. Mit einer hervorragenden Durchschnittsbewertung von 4.7 von 5 Sternen war das Rössli mehr als nur eine Option für ein Mittagessen oder Abendessen; es war ein Ort, an dem Qualität, Leidenschaft und Gastfreundschaft spürbar waren. Gäste lobten wiederholt das "neue Team", das dem Gasthof neues Leben eingehaucht hatte. Dieses Team, das waren zuletzt die Brüder Jérôme und Manuel Lüthi zusammen mit Michaela Frehner, die den Betrieb im Frühling 2023 übernommen hatten. Jérôme Lüthi, ein Koch mit Erfahrung aus renommierten Küchen, unter anderem bei Anton Mosimann in London, brachte eine klare Vision mit: Er wollte im Emmental eine Nische besetzen.
Der legendäre Rössli-Brunch: Ein kulinarisches Highlight
Ein zentraler Baustein dieses Erfolgs war zweifellos der Brunch. Mehrere Rezensenten heben dieses Angebot explizit hervor und bezeichnen es als "absolut fantastisch" oder gar als den "besten Brunch, den ich je hatte". Um dieses hochwertige Erlebnis zu gewährleisten, gingen die neuen Pächter eine strategische Partnerschaft ein: Sie arbeiteten als Franchise-Unternehmen mit dem bekannten Brunch-Konzept von "Chez Anja" aus Utzenstorf zusammen. Dieser Schritt erwies sich als goldrichtig. An den Wochenenden strömten bis zu 80 Gäste ins Rössli, um das reichhaltige Angebot zu geniessen. Die Gäste schwärmten von "himmlischen Pancakes" und einer grossen Auswahl, die keine Wünsche offenliess. Das Rössli etablierte sich so als eine der ersten Adressen für einen ausgedehnten Brunch in der Region.
Mehr als nur Brunch: Die Kunst der gut bürgerlichen Küche
Doch das kulinarische Angebot beschränkte sich nicht auf das Wochenende. Auch die Speisekarte für das Abendessen erntete höchstes Lob. Die Küche wird als "absolut überwältigend" beschrieben. Besonders hervorgehoben wurden Gerichte, die auf den ersten Blick klassisch erscheinen, aber durch ihre exzellente Zubereitung überzeugten. Das "knusprige Cordon-Bleu" war offenbar ein Gedicht, das Flat Iron Steak perfekt zubereitet und selbst ein einfacher "Rössli-Salat" wurde zu einem besonderen Genuss. Dies deutet auf eine Philosophie hin, die auf ehrlicher, qualitativ hochstehender und modern interpretierter gut bürgerlicher Küche basierte. Das Essen war nicht nur schmackhaft, sondern wurde auch, wie ein Gast bemerkte, "schön angerichtet", was das Auge mitessen liess und den hohen Anspruch der Küche unterstrich.
Service und Ambiente: Das Gesamtpaket stimmte
Ein exzellentes Restaurant definiert sich jedoch nicht nur über das Essen. Das Team im Rössli verstand es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Gäste rundum wohlfühlten. Der Service wird durchweg als "sehr aufmerksam", "freundlich", "zuvorkommend" und "fachkundig" beschrieben. Diese Professionalität, gepaart mit einer herzlichen Art, schuf ein gemütliches Ambiente, das zum Verweilen einlud. Die Gäste fühlten sich willkommen und wertgeschätzt, was massgeblich zu den hervorragenden Restaurantbewertungen beitrug. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis wurde als "TOP" empfunden. Obwohl die Preise nicht im untersten Segment angesiedelt waren, empfanden die Besucher sie angesichts der gebotenen Qualität als absolut gerechtfertigt.
Der negative Aspekt: Das abrupte Ende einer Erfolgsgeschichte
Die grosse Enttäuschung für alle Fans des Rössli ist die Realität seiner Schliessung. Ende Juli 2024 musste der Gasthof seine Türen schliessen. Der Grund ist symptomatisch für eine grosse Herausforderung in der Gastronomie: der akute Fachkräftemangel. Pächter Jérôme Lüthi erklärte, dass er zwar genügend Gäste hatte, aber kein Personal fand, das bereit war, die branchenüblichen Arbeitszeiten, insbesondere an Wochenenden, zu leisten. Als dann eine Schlüsselmitarbeiterin das Team verliess, war der Betrieb nicht mehr aufrechtzuerhalten. Für Lüthi selbst bedeutete dies das vorläufige Ende seiner Karriere als Koch. Diese Entwicklung ist ein herber Schlag, nicht nur für die Betreiber, sondern auch für die Region, die ein beliebtes Restaurant verlor. Die Besitzer der Liegenschaft suchen seither nach neuen Pächtern, bisher jedoch ohne Erfolg, weshalb die Immobilie nun sogar zum Verkauf steht.
Für Gäste, die aufgrund der älteren, euphorischen Bewertungen anreisen, ist dies die entscheidende Information. Das Rössli, das für seinen fantastischen Brunch und seine exzellente Küche gefeiert wurde, existiert in dieser Form nicht mehr. Die Schliessung erfolgte nicht aufgrund mangelnden Erfolgs, sondern aufgrund externer Umstände, die viele Betriebe in der Branche belasten. Es bleibt ein Lehrstück darüber, wie schnell auch ein florierendes und geliebtes Lokal von der Bildfläche verschwinden kann.