Forbici
ZurückDas Forbici, gelegen an der Place de l'Europe 9 im dynamischen Floner Quartier von Lausanne, hat sich seit seiner Eröffnung im Mai 2021 als ein bemerkenswertes Restaurant etabliert, das sich der italienischen Küche verschrieben hat. Der Name selbst, italienisch für „Schere“, deutet bereits auf das zentrale und originelle Konzept des Hauses hin: Die Pizza wird nicht mit Messer und Gabel, sondern mit einer Schere geschnitten. Diese Besonderheit, gepaart mit dem Versprechen authentischer neapolitanischer Pizza und hochwertiger Zutaten, zieht ein breites Publikum an. Doch die Meinungen der Gäste zeichnen ein komplexes Bild voller starker Kontraste, das von kulminarischer Ekstase bis hin zu spürbarer Enttäuschung reicht. Für potenzielle Besucher lohnt sich daher ein genauerer Blick auf die Stärken und Schwächen dieses modernen italienischen Lokals.
Die Pizza: Zwischen Perfektion und Problematik
Im Zentrum des kulinarischen Angebots steht unbestreitbar die Pizza. Viele Gäste schwärmen von einer der besten Pizzen, die sie seit Langem gegessen haben. Berichtet wird von einem intensiven und aromatischen Käse, einer fruchtigen Tomatensauce und einem perfekt knusprig gebackenen Rand, ganz im Stil einer echten neapolitanischen Pizza. Speziell hervorgehoben wird oft die „Pizza Speciale Tartufina“, die mit Trüffelsauce, Rohschinken und Burrata als geschmacklicher Höhepunkt gilt und von manchen als „der helle Wahnsinn“ beschrieben wird. Das Restaurant wirbt damit, dass die Rezepte von einem internationalen Pizzaiolo-Ausbilder neu interpretiert werden, was den hohen Anspruch unterstreicht. Die Verwendung von Qualitätsprodukten, sowohl aus Italien als auch aus der Region, wird als Grund für das gelungene Geschmackserlebnis genannt.
Allerdings gibt es einen wiederkehrenden und signifikanten Kritikpunkt, der das Erlebnis für einige Gäste trübt: die Beschaffenheit des Teiges in der Mitte der Pizza. Mehrere Besucher beschreiben den Teig als extrem dünn und weich. Während der Rand die gewünschte Knusprigkeit aufweist, führt die dünne Mitte in Kombination mit einem üppigen Belag dazu, dass die Stücke durchweichen und kaum mit der Hand gegessen werden können. Ein Gast merkte an, dass das Verhältnis von sehr dünnem Boden zu reichlich Tomatensauce unausgewogen sei, was die Pizza matschig mache. Diese Eigenschaft steht im direkten Widerspruch zum traditionellen Genuss einer neapolitanischen Pizza, die man oft gefaltet in der Hand isst. Während das Schneiden mit der Schere als kreative Idee gelobt wird, scheint es für manche eher eine Notwendigkeit aufgrund der instabilen Teigstruktur zu sein. Es gibt sogar Stimmen, die die Pizza als „lieblos“ mit „viel Teig und wenig Geschmack“ empfanden, was die extreme Spanne der Wahrnehmungen verdeutlicht.
Ein Blick auf die weitere Speisekarte
Abseits der Pizza bietet das Forbici eine breite Palette an Gerichten, die ebenfalls gemischte Reaktionen hervorrufen. Ein besonders enthusiastischer Stammgast, der das Lokal innerhalb einer Woche viermal besuchte, empfahl neben der Trüffelpizza auch die „Foccacia Forbici“ und die „Pappardelle Forbici“ als absolute Highlights. Dies deutet darauf hin, dass die Küche durchaus in der Lage ist, herausragende Pasta- und Brotgerichte zu kreieren. Auch der Salat wurde in einer Bewertung als „sehr fein“ gelobt, was auf frische Zutaten schliessen lässt.
Doch auch hier gibt es Gegenstimmen. Ein Gast riet von den „Raviolis Farcis All‘Astice“ (Hummer-Ravioli) ab, die für ihn eine Enttäuschung waren. Eine andere Bewertung kritisierte eine Salatsauce als komplett geschmacklos. Diese vereinzelten, aber spezifischen Kritikpunkte deuten darauf hin, dass die Qualität auf der Speisekarte schwanken kann. Für ein gelungenes Abendessen oder Mittagessen scheint die Wahl des richtigen Gerichts entscheidend zu sein. Das Lokal bietet zudem spezielle und preisgünstigere Angebote für Kinder an, was es zu einer attraktiven Option für Familien macht.
Service und Ambiente: Ein Ort der Gegensätze
Das Ambiente im Forbici wird überwiegend als modern, angenehm und passend zum lebhaften Flon-Viertel beschrieben. Die grosszügigen Räumlichkeiten mit einer grossen Bar im Eingangsbereich und Tischen auf mehreren Ebenen schaffen eine dynamische Atmosphäre. Allerdings hat diese Lebhaftigkeit auch eine Kehrseite: Mehrere Gäste empfanden das Restaurant als sehr laut, was es für ein ruhiges, intimes Gespräch weniger geeignet macht. Ein Besucher fasste seinen Eindruck von Essen und Ambiente als „mittelmässig“ zusammen.
Die grösste Diskrepanz in den Bewertungen findet sich jedoch beim Service. Die Erfahrungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Auf der einen Seite gibt es Lob für freundliches, aufmerksames und schnelles Personal, das zu einem positiven kulinarischen Erlebnis beiträgt. Auf der anderen Seite steht eine signifikante Anzahl von Berichten über „extrem gestresstes“, unaufmerksames und „total unorganisiertes“ Servicepersonal. Diese Kommentare legen nahe, dass das Team bei hohem Gästeaufkommen an seine Grenzen stösst, was zu langen Wartezeiten und einem Gefühl der Vernachlässigung führen kann. Diese Unbeständigkeit im Service ist ein erheblicher Risikofaktor für jeden, der plant, im Forbici essen zu gehen.
Fazit: Einzigartiges Konzept mit unbeständiger Ausführung
Das Forbici in Lausanne ist ein Restaurant, das polarisiert. Das einzigartige Konzept mit der Schere, die moderne Einrichtung und die erstklassige Lage im Flon-Viertel schaffen hohe Erwartungen. In seinen besten Momenten scheint das Lokal diese auch zu erfüllen, mit geschmacklich herausragenden Pizzen und Pastagerichten, die Gäste zu Superlativen wie „Food porn“ verleiten. Die Verwendung hochwertiger Zutaten ist ein klarer Pluspunkt.
Potenzielle Kunden sollten sich jedoch der erheblichen Unbeständigkeit bewusst sein. Die viel kritisierte, zu dünne und weiche Pizzamitte ist ein technischer Mangel, der für Liebhaber authentischer neapolitanischer Pizza ein Dealbreaker sein könnte. Noch gravierender sind die stark schwankenden Serviceleistungen. Während man an einem guten Abend aufmerksame Kellner antrifft, kann man an einem geschäftigen Abend mit gestresstem und unorganisiertem Personal konfrontiert werden. Auch die hohe Lautstärke ist nicht für jeden Anlass passend. Das Preisniveau wird als für Lausanne fair, aber dennoch relativ hoch empfunden. Letztendlich ist ein Besuch im Forbici eine Art Wette: Man kann ein fantastisches kulinarisches Erlebnis haben, aber ebenso gut auf einige der genannten Schwachstellen treffen.