Fischstübli Erlenbach
ZurückDas Fischstübli an der Schiffländestrasse 15 in Erlenbach ist eine jener Adressen, die unter Kennern als eine Besonderheit gilt. Es ist kein gewöhnliches Restaurant, sondern ein Ort, der eine Geschichte von Tradition, Wandel und authentischer Gastfreundschaft erzählt. Mit seiner direkten Lage am Zürichsee bietet es nicht nur eine kulinarische, sondern auch eine visuelle Erfahrung, die besonders bei Sonnenuntergang ihre volle Wirkung entfaltet. Die jüngste Übernahme durch die neuen Gastgeber Vasco Gamboni und Manuel Faria hat frischen Wind in das traditionsreiche Lokal gebracht, wobei der Geist des früheren, hochgelobten Wirts Jérémie Crettol in manchen Aspekten weiterlebt.
Ein neues Kapitel mit mediterranem Fokus
Unter der neuen Leitung von Vasco Gamboni (verantwortlich für Service und Getränke) und Manuel Faria (Küchenchef) hat sich das kulinarische Profil des Fischstübli gewandelt. Die Speisekarte konzentriert sich nun stärker auf mediterrane Fischgerichte und Meeresfrüchte. Gäste können sich auf Klassiker wie Bouillabaisse oder Polvo a Lagreiro (Oktopus mit Kartoffeln) freuen. Das tägliche Angebot ist bewusst klein gehalten und umfasst in der Regel zwei Fischgerichte, ein Fleischgericht und eine vegetarische Option, was für die Frische und Sorgfalt der Zubereitung spricht. Dieser neue Ansatz bringt eine internationale Leichtigkeit in die Küche, die von Gästen als überaus positiv und ideenreich wahrgenommen wird.
Die Getränkeauswahl, kuratiert von Vasco Gamboni, unterstreicht diesen Anspruch. Die Weinkarte ist umfangreich und bietet eine sorgfältige Auswahl an Weinen aus der Schweiz, Frankreich, Italien und Österreich. Ein besonderes Augenmerk liegt auf lokalen Tropfen, so werden auch Weine direkt aus Erlenbach und der Zürichseeregion angeboten, sogar im Offenausschank. Ergänzt wird das Angebot durch Biere der Waadtländer Brauerei Dr. Gabs und diverse Cocktails.
Das Erbe des Raclettes am offenen Feuer
Ein wesentlicher Anziehungspunkt des Fischstübli war über Jahre das legendäre Walliser Raclette, das vom früheren Wirt Jérémie Crettol zelebriert wurde. Am offenen Kaminfeuer wurde der Käse geschmolzen und als Hauptgang "à discretion" serviert, begleitet von erstklassigen Albula-Bergkartoffeln und hausgemachten Pickles. Diese Zeremonie war für viele Gäste der Hauptgrund ihres Besuchs. Mit dem Pächterwechsel ist das Raclette von der regulären Speisekarte verschwunden. Dies stellt für Liebhaber dieser urchigen Tradition eine bedauerliche Änderung dar. Es gibt jedoch einen Lichtblick: Jérémie Crettol hat zugesagt, im Winter für spezielle Raclette-Abende ins Fischstübli zurückzukehren. Interessenten sollten sich also rechtzeitig über diese besonderen Events informieren, um dieses einzigartige gastronomisches Erlebnis nicht zu verpassen.
Atmosphäre: Zwischen rustikalem Charme und neuer Leichtigkeit
Das Ambiente des Fischstübli ist ein entscheidender Teil seiner Identität. Die Gaststube wird als heimelig und urig beschrieben, mit weiss getäfelten Wänden und alten Beizentischen. Ein besonderes Merkmal, das von Stammgästen geschätzt wird, ist die Jukebox, die mit echten Schallplatten gefüllt ist und deren leises Surren und Knistern vor jedem Lied eine nostalgische Stimmung erzeugt. Die Wände sind geschmückt mit selbstgemalten, kunterbunten Gemälden und zeitgenössischer Kunst, die dem Interieur einen einzigartigen, fast künstlerischen Charakter verleihen. Diese Mischung aus traditioneller Beiz und persönlicher Galerie schafft eine ungezwungene und entspannte Atmosphäre. Die Lage direkt am See trägt massgeblich dazu bei; der Blick auf das Wasser ist zu jeder Tageszeit beeindruckend und macht das Abendessen bei Sonnenuntergang zu einem unvergesslichen Moment. Die neuen Gastgeber führen diese besondere Stimmung weiter, bringen aber eine, wie es ein Gast beschrieb, "neue Leichtigkeit" in das Lokal, die sich in einem freundlichen, unkomplizierten Service und einer weltoffeneren Ausrichtung zeigt.
Service und Gastfreundschaft: Ein zentraler Pluspunkt
Die Rückmeldungen der Gäste heben einstimmig den herausragenden Service hervor. Das Personal wird als durchweg freundlich, schnell und unkompliziert beschrieben. Diese hohe Servicequalität trägt massgeblich dazu bei, dass sich Besucher willkommen und gut aufgehoben fühlen. Die neuen Pächter betonen, dass ihr Lokal ein Treffpunkt für alle sein soll, auch für Gäste, die nur auf ein Glas Wein oder einen Drink vorbeikommen möchten. Aus diesem Grund halten sie bewusst einige Plätze für spontane Besucher frei, was in einer Region, in der Reservierungen oft unerlässlich sind, eine sympathische Geste ist. Dennoch ist aufgrund der hohen Beliebtheit eine Reservierung, besonders für das Abendessen am Wochenende, dringend zu empfehlen.
Was man vor einem Besuch wissen sollte
Trotz der überwältigend positiven Resonanz gibt es einige praktische Aspekte zu beachten. Ein zentraler Punkt sind die Öffnungszeiten. Das Restaurant ist montags und dienstags geschlossen. An den übrigen Tagen gibt es unterschiedliche Öffnungs- und Küchenzeiten. So ist die Küche für das Mittagessen von Mittwoch bis Freitag zwischen 11:30 und 14:00 Uhr geöffnet, während der Abendservice um 18:30 Uhr beginnt. Am Samstag öffnet das Lokal erst am Abend. Diese gestaffelten Zeiten sollte man bei der Planung eines Besuchs berücksichtigen, um nicht vor verschlossener Küchentür zu stehen.
Ein weiterer Punkt ist die bereits erwähnte Änderung der Speisekarte. Wer das Fischstübli gezielt wegen des berühmten Raclettes besuchen möchte, wird enttäuscht sein – es sei denn, man erwischt einen der angekündigten Special-Events im Winter. Die neue mediterrane Ausrichtung ist zwar von hoher Qualität, entspricht aber möglicherweise nicht den Erwartungen von Gästen, die die traditionelle Schweizer Küche suchen, für die das Lokal einst bekannt war. Schliesslich ist die Anreise für auswärtige Gäste eine Überlegung wert. Obwohl etwas ausserhalb von Zürich gelegen, wird die Anfahrt, beispielsweise mit dem Schiff, von vielen als Teil des Erlebnisses betrachtet und als "eine Reise wert" beschrieben.
Fazit: Ein lohnenswertes Ziel mit neuem Charakter
Das Fischstübli Erlenbach bleibt auch unter neuer Führung eine aussergewöhnliche Adresse am Zürichsee. Es verbindet erfolgreich eine einzigartige, fast schon ikonische Lage und ein charmant-rustikales Ambiente mit einer frischen, mediterran inspirierten Küche von hoher Qualität. Der Service ist exzellent und die Atmosphäre herzlich und einladend. Während der Wegfall des permanenten Raclette-Angebots für einige ein Wermutstropfen sein mag, bieten die neuen kulinarischen Akzente eine spannende Alternative. Es ist ein Ort, der sowohl für ein romantisches Abendessen zu zweit als auch für einen entspannten Abend mit Freunden geeignet ist und ein rundum gelungenes Erlebnis für alle verspricht, die gutes Essen in einer besonderen Umgebung zu schätzen wissen.