Chamanna Naluns
ZurückFür viele, die das Skigebiet von Scuol über die Jahre besucht haben, war die Chamanna Naluns mehr als nur ein Bergrestaurant; sie war ein fester Ankerpunkt, ein Treffpunkt direkt an der Piste. Doch wer heute nach dem vertrauten Gebäude sucht, wird feststellen, dass eine Ära zu Ende gegangen ist. Die Chamanna Naluns ist dauerhaft geschlossen und wurde abgerissen, um Platz für ein neues, modernes Gastronomiekonzept zu schaffen. Dieser Artikel wirft einen Blick zurück auf das, was die Chamanna Naluns ausmachte – ihre Stärken, ihre Schwächen und warum sie bei vielen Gästen in Erinnerung bleiben wird.
Ein Standort mit Panorama-Garantie
Die größte Stärke der Chamanna Naluns war zweifellos ihre Lage. Positioniert mitten im Skigebiet, bot sie eine unvergleichliche Aussicht auf die Engadiner Bergwelt und den Nationalpark. Die weitläufige Sonnenterrasse war an klaren Tagen der Hauptanziehungspunkt. Hier konnten Wintersportler eine Pause einlegen, die Sonne genießen und das beeindruckende Panorama auf sich wirken lassen. Im Inneren bot das Restaurant eine traditionelle und gemütliche Atmosphäre. Besonders an kalten oder verschneiten Tagen war der Platz am wärmenden Cheminee (Kamin) heiss begehrt und verwandelte die Hütte in einen behaglichen Zufluchtsort. Diese Kombination aus spektakulärer Aussicht und heimeligem Interieur machte die Chamanna zu einer klassischen Skihütte, wie man sie sich vorstellt.
Die kulinarischen Höhen und Tiefen
Die Speisekarte der Chamanna Naluns war auf die Bedürfnisse von hungrigen Skifahrern ausgerichtet: währschaft, sättigend und unkompliziert. Ein Gericht stach dabei immer wieder heraus und wurde von vielen Stammgästen fast schon kultisch verehrt: die Spareribs. In Bewertungen wurden sie als "der Hammer" und absolut empfehlenswert beschrieben. Auch der "Chamanna Burger" gehörte zu den beliebten Klassikern, die für zufriedene Gesichter sorgten. Für den süssen Abschluss nach einem herzhaften Mittagessen auf der Piste waren die "Nussgipfel" bekannt und sehr geschätzt. Die Küche schien leistungsfähig und konnte an guten Tagen die Gäste mit ansprechenden Menüs überzeugen.
Allerdings war das kulinarische Erlebnis nicht für alle Besucher durchweg positiv. Ein zentraler Kritikpunkt, der sich durch mehrere Erfahrungen zieht, betrifft das Preis-Leistungs-Verhältnis. Insbesondere im Selbstbedienungsbereich auf der Terrasse wurden die Preise von einigen Gästen als "völlig überrissen" und als "Frechheit" empfunden, selbst für die Verhältnisse eines Schweizer Skigebiets. Ein kleiner Salat für 9 CHF, Chicken Nuggets für 15 CHF oder ein Eistee für 6 CHF wurden als Beispiele für eine Preisgestaltung genannt, die nicht mehr nachvollziehbar war. Diese Kritik legt nahe, dass die Qualität der Speisen im Self-Service-Bereich nicht immer mit den hohen Preisen mithalten konnte, was bei manchen Besuchern für erhebliche Unzufriedenheit sorgte.
Service zwischen Freundlichkeit und Überforderung
Das Personal der Chamanna Naluns wurde oft als freundlich beschrieben, doch das Servicesystem hatte seine Tücken. Während es im Innenbereich die Wahl zwischen bedientem Service und einem Buffet gab, war die grosse Terrasse ausschliesslich auf Selbstbedienung ausgelegt. Dies führte, besonders an stark frequentierten Tagen, zu erheblichen Problemen. Berichte über lange Wartezeiten an der Kasse und bei der Essensausgabe deuten darauf hin, dass die Organisation an ihre Grenzen stiess. In manchen Fällen war das Personal sichtlich überfordert, was dazu führte, dass die Verfügbarkeit von Speisen eingeschränkt war und potenzielle Gäste aufgrund der langen Schlangen wieder gingen. Diese betrieblichen Engpässe trübten das ansonsten positive Ambiente und waren ein wiederkehrender Schwachpunkt des Betriebs.
Das Ende einer Ära: Abriss und Neubau
Die Zeit der Chamanna Naluns ist nun endgültig vorbei. Im Rahmen einer umfassenden Modernisierung der Bergbahnen Scuol wurde das alte Gebäude vollständig abgerissen. An seiner Stelle entstand ein neues, grösseres und moderneres Restaurant namens "La Motta". Dieses Neubauprojekt, das im Winter 2023/2024 eröffnet wurde, soll den gestiegenen Ansprüchen der Gäste gerecht werden und bietet nun ebenfalls ein Selbstbedienungsrestaurant, einen bedienten Bereich sowie Platz für Veranstaltungen. Der Abschied von der Chamanna Naluns markiert somit nicht nur das Ende eines Gebäudes, sondern auch den Beginn eines neuen Kapitels für die Gastronomie auf Motta Naluns. Für viele langjährige Besucher bleibt die Erinnerung an eine Hütte, die trotz ihrer Mängel ein Ort mit viel Charme, einer unschlagbaren Aussicht und den vielleicht besten Spareribs im ganzen Skigebiet war.