Binz & Kunz
ZurückAn der Räffelstrasse 17 in Zürich befand sich einst Binz & Kunz, ein Ort, der für viele Zürcherinnen und Zürcher zum Inbegriff des urbanen Sommers wurde. Doch wer heute diesen Ort aufsucht, wird vor verschlossenen Türen stehen. Das einst lebhafte Lokal ist dauerhaft geschlossen. Dieser Artikel wirft einen Blick zurück auf das, was Binz & Kunz ausmachte – eine Analyse seiner Stärken und Schwächen, basierend auf den Erfahrungen unzähliger Gäste, die hier einst ihre Abende verbrachten.
Binz & Kunz war mehr als nur ein Restaurant Zürich; es war eine urbane Oase, ein grosszügiger Sommergarten, der in einem sonst eher industriell geprägten Quartier für mediterranes Flair sorgte. Die Betreiber schufen mit Containern, Kiesböden, bunten Möbeln und zahlreichen Pflanzen eine Atmosphäre, die sowohl an einen entspannten Biergarten Zürich als auch an einen lebhaften Treffpunkt im Freien erinnerte. Gerade an warmen Sommerabenden war der Ort ein Magnet für ein breites Publikum – von Freunden und Familien bis hin zu Geschäftsleuten, die den Feierabend einläuteten. Diese einzigartige und liebevoll gestaltete Außengastronomie war zweifellos die grösste Stärke des Lokals und wird von vielen ehemaligen Gästen in bester Erinnerung behalten.
Kulinarische Höhen und Tiefen im urbanen Garten
Das gastronomische Konzept von Binz & Kunz war eine Mischung aus Orient und Okzident, mit einem klaren Schwerpunkt auf libanesisches Essen und frischen Grillspezialitäten. Auf der Speisekarte fanden sich Klassiker wie Mezze, Hummus, Babaganoush und Falafel, die von vielen Gästen für ihre hohe Qualität gelobt wurden. Insbesondere die hausgemachten Dips galten als authentisch und geschmackvoll. Neben den orientalischen Köstlichkeiten gab es auch Burger, Salate und verschiedene Gerichte vom Grill, die das Angebot abrundeten. An guten Tagen, so berichten es zahlreiche Stimmen, war das Essen „unglaublich lecker“ und die Portionen grosszügig bemessen, was das Erlebnis auf der Sommerterrasse perfekt machte.
Doch die kulinarische Erfahrung war nicht durchweg positiv. Während einige Gerichte überzeugten, gab es auch deutliche Kritik an der Konsistenz und Qualität anderer Speisen. Einige Gäste bemängelten, dass bestimmte Komponenten wie Guacamole oder frittierte Zwiebeln als Garnitur den Eindruck von Convenience-Produkten machten. Ein besonders häufig genannter Kritikpunkt war das Brot, das teils trocken und in Plastik verpackt serviert wurde – ein Detail, das nicht zum ansonsten stimmigen Ambiente und den aufgerufenen Preisen passte. Diese mangelnde Liebe zum Detail bei bestimmten Gerichten führte bei manchen Besuchern zu einem Gefühl der Enttäuschung und dem Eindruck, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht immer stimmte.
Ambiente und Service: Zwischen Herzlichkeit und Lärm
Die Atmosphäre war das Herzstück von Binz & Kunz. Das lockere, unkomplizierte Flair lud zum Verweilen ein und machte den Ort zu einem beliebten Treffpunkt. Unterstützt wurde dies durch ein Personal, das von vielen als „super freundlich“ und herzlich beschrieben wurde. Dieser positive Service-Aspekt trug massgeblich dazu bei, dass sich die Gäste willkommen und wohlfühlten. Die etwas versteckte Lage verlieh dem Ganzen den Charakter eines Geheimtipps, einer Zuflucht vor der Hektik der Innenstadt.
Die Kehrseite der Medaille zeigte sich jedoch an besucherstarken Abenden, insbesondere an Wochenenden. Die grosse Beliebtheit führte oft zu einem enormen Andrang, was den Geräuschpegel extrem ansteigen liess. Einige Gäste berichteten, dass es so laut wurde, dass eine normale Unterhaltung kaum noch möglich war und man sich fast anschreien musste. Dieser Lärm konnte das ansonsten entspannte Erlebnis erheblich trüben. Ein weiterer Punkt, der das Gesamtbild beeinflusste, war das Selbstbedienungskonzept. Das Essen musste selbst an einem Schalter abgeholt werden, was einige Gäste in Anbetracht der eher gehobenen Preise als unpassend empfanden.
Die Preisgestaltung: Ein kontroverses Kapitel
Die Preise bei Binz & Kunz waren ein wiederkehrendes und oft heiss diskutiertes Thema. Während das Preisniveau mit der Stufe 2 als moderat eingestuft wurde, empfanden viele Gäste die Kosten als zu hoch, insbesondere im Verhältnis zur gebotenen Leistung und dem Selbstbedienungscharakter. Wenn man für ein Gericht selbst anstehen und es abholen muss, erwartet man in der Regel einen günstigeren Preis als in einem Restaurant mit vollem Service.
Besonders scharf kritisiert wurden die Preise bei speziellen Veranstaltungen wie einem „DayDance“. Ein Burger für 25 Franken, eine Bratwurst für 9 Franken und ein Bier für ebenfalls 9 Franken wurden als überzogen empfunden. Der absolute Höhepunkt der Kritik war jedoch der Preis für eine kleine Flasche Wasser, die für 7.50 Franken verkauft wurde. Dies wurde von einem Gast als „maximale Frechheit“ bezeichnet und löste eine Debatte über die Verantwortung von Veranstaltern aus, ihre Gäste zu fairen Preisen mit dem Nötigsten wie Wasser zu versorgen. Solche Preisspitzen trübten das ansonsten positive Image und hinterliessen bei nicht wenigen Besuchern einen bitteren Nachgeschmack.
Ein Fazit: Das Erbe von Binz & Kunz
Letztendlich ist die Geschichte von Binz & Kunz eine Geschichte der Dualität. Auf der einen Seite stand ein wundervoller, einzigartiger Ort mit einer fantastischen Atmosphäre, der für viele das sommerliche Essen gehen Zürich bereicherte. Die charmante Sommerterrasse und die köstlichen libanesischen Spezialitäten lockten die Menschen in Scharen an. Auf der anderen Seite standen berechtigte Kritikpunkte wie die inkonsistente Qualität mancher Speisen, der hohe Lärmpegel und eine Preispolitik, die oft als grenzwertig empfunden wurde.
Heute ist Binz & Kunz dauerhaft geschlossen. Der Ort, der einst für urbanes Gartenflair und lebhafte Sommerabende stand, existiert nicht mehr. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine farbenfrohe Stadtoase, die bewiesen hat, wie gross die Sehnsucht nach unkomplizierten Treffpunkten im Freien ist. Gleichzeitig dient sein Werdegang als Beispiel dafür, wie wichtig es ist, ein stimmiges Gesamtkonzept zu bieten, bei dem Ambiente, Qualität und Preis in einem fairen Verhältnis zueinander stehen. Für die Zürcher Gastronomieszene war Binz & Kunz eine prägende Erscheinung – im Guten wie im Schlechten.