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BellaLuna Filisur

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Bellaluna 1, 7477 Filisur, Schweiz
Restaurant

Das Gasthaus BellaLuna in Filisur, an der Adresse Bellaluna 1 gelegen, ist heute mehr als nur ein geschlossenes Restaurant; es ist ein Ort, der von einer tiefen und oft düsteren Geschichte geprägt ist. Die offizielle Klassifizierung als «dauerhaft geschlossen» kratzt nur an der Oberfläche einer Erzählung voller Blütezeiten, tragischer Ereignisse und wiederholter Rückschläge. Für jeden, der heute nach einem Restaurant in der Nähe von Filisur sucht, ist das BellaLuna eine stille Erinnerung an die Wechselfälle der Gastronomie in einer alpinen Region.

Die glorreichen, aber turbulenten Jahre

Die jüngere Geschichte des BellaLuna wurde massgeblich durch verschiedene Pächter und Besitzer geprägt, die versuchten, diesem geschichtsträchtigen Ort neues Leben einzuhauchen. Eine besonders positive Phase erlebte das Haus nach der umfassenden Renovierung im Jahr 2003 durch die Brüder André und Bruno Brazerol. Sie verwandelten das Anwesen in ein bekanntes Gast- und Kulturhaus, das weit über die Grenzen von Graubünden hinaus Beachtung fand. Die Speisekarte bot gehobene Gerichte wie Risotto, saftige Steaks, Saltimbocca und Entrecôte an, was auf eine ambitionierte Küche schliessen lässt. Das Angebot, im Freien zu sitzen und die idyllische Lage am Talboden zwischen Filisur und Bergün zu geniessen, zog zahlreiche Touristen und Einheimische an.

In dieser Zeit war das BellaLuna nicht nur ein Ort für ein feines Abendessen, sondern etablierte sich auch als Kulturzentrum. Im heimeligen Dachstock des Hauses fanden regelmässig Konzerte statt, bei denen bekannte Künstler wie Philipp Fankhauser und die Band Shakra auftraten. Diese Symbiose aus qualitativ hochstehendem Essen und kulturellen Veranstaltungen schuf ein einzigartiges Erlebnis und machte das BellaLuna zu einer der ersten Adressen im Albulatal. Es war ein Ort, der für Gastfreundschaft stand und zeigte, welches Potenzial in dem alten Gemäuer steckte, wenn es mit Vision und Engagement geführt wurde.

Die dunkle Seite der Geschichte

Trotz dieser Erfolgsphasen ist die Geschichte des BellaLuna untrennbar mit Rückschlägen und einer fast mythischen Aura des Unglücks verbunden, was ihm den Ruf einbrachte, verflucht zu sein. Die Wurzeln des Ortes reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als er ein Zentrum für den Bergbau und die Eisenschmelze war. Schon damals scheiterten mehrere Gesellschaften bei dem Versuch, hier erfolgreich zu wirtschaften. Der Name selbst, der möglicherweise auf den romanischen Ausdruck für einen «mitternächtlichen Hexentanz» zurückgeht, trägt zu dieser sagenumwobenen Atmosphäre bei.

Die wohl bekannteste und tragischste Figur in der Geschichte des Hauses ist die Wirtin Paula Roth, auch «die Hexe aus dem Albulatal» genannt. Sie übernahm das Gasthaus 1965 und führte es auf ihre ganz eigene, exzentrische Art. Während ihre unkonventionelle Art und ihre Erzählkunst viele faszinierte, stiessen sich andere an den hygienischen Zuständen. Ihr Leben endete 1988 auf brutale Weise, als sie bei einem Raubüberfall in ihrem Haus ermordet wurde. Dieses Ereignis warf einen langen Schatten auf das Anwesen und festigte seinen Ruf als unheilvoller Ort. Nach ihrem Tod verfiel das Gebäude zusehends, bis die bereits erwähnten Brüder Brazerol es aus dem Dornröschenschlaf weckten.

Das wiederholte Scheitern und die endgültige Schliessung

Die positiven Jahre nach 2003 waren leider nicht von Dauer. Die Betreibergesellschaften wechselten, und das Glück schien dem Ort nicht treu zu bleiben. Im Jahr 2014, nur zwei Jahre nach einer erneuten Übernahme, musste die Betreiberfirma Villa Bellaluna GmbH Konkurs anmelden. Dies war ein schwerer Schlag für die lokale Gastronomieszene und wurde von der Gemeinde Filisur als «grosser Verlust» bezeichnet, da das Restaurant ein wichtiger Anziehungspunkt für Touristen war. Der letzte Eigentümer, Patrick Freddy Burger, verstarb einige Jahre später, woraufhin die Erbschaft ausgeschlagen wurde. Dies führte schliesslich zur Versteigerung der Liegenschaft im Jahr 2019, bei der eine Bank den Zuschlag erhielt.

Seitdem steht das Anwesen immer wieder zum Verkauf, mit Preisen, die sich im Millionenbereich bewegen. Doch ein neuer, dauerhafter Betreiber konnte bis heute nicht gefunden werden. Die abgelegene, wenn auch malerische Lage, die eine Anfahrt erfordert, könnte für die Gastronomie eine Herausforderung darstellen. Ein Wanderer beschrieb 2018, dass das Haus zwar bewohnt schien, aber nicht mehr in Betrieb war, was die lange Phase des Stillstands unterstreicht. Die fehlenden Dienstleistungen wie Lieferservice oder Take-away, die in der heutigen Zeit für viele Restaurants wichtig sind, waren hier nie ein Thema, was die Abhängigkeit von Gästen vor Ort verdeutlicht.

Ein Fazit: Was bleibt vom BellaLuna?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das BellaLuna Filisur ein Paradebeispiel für ein Lokal mit enormem Potenzial, aber auch mit einer schweren historischen Last ist. Die positiven Aspekte waren unbestreitbar: In seinen besten Zeiten bot es eine exzellente Schweizer Küche in einem einzigartigen, historischen Ambiente, ergänzt durch ein hochkarätiges Kulturprogramm. Es war ein Ort, der Menschen zusammenbrachte und unvergessliche Erlebnisse schuf.

Die negativen Aspekte sind jedoch ebenso gewichtig. Die von Tragödien und Konkursen durchzogene Vergangenheit, der Ruf des «Verfluchten» und die wiederholten langen Schliessungsperioden schufen eine Atmosphäre der Instabilität. Für potenzielle Kunden und Investoren war die Unsicherheit ein ständiger Begleiter. Die endgültige Schliessung ist somit nicht nur das Ende eines weiteren Restaurants, sondern das vorläufig letzte Kapitel in einer langen, dramatischen Saga. Was bleibt, ist ein wunderschönes, aber stilles Haus im Albulatal, das auf eine neue Bestimmung wartet – ein stummes Denkmal für die Höhen und Tiefen der Bündner Gastronomie.

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