Startseite / Restaurants / Zum Steinbock
Zum Steinbock

Zum Steinbock

Zurück
Hauptstrasse 85, 8274 Tägerwilen, Schweiz
Restaurant
9.2 (288 Bewertungen)

Das Restaurant Zum Steinbock in Tägerwilen, das mittlerweile dauerhaft geschlossen ist, war für viele Jahre eine feste Grösse in der lokalen Gastronomieszene. Es verkörperte eine bestimmte Art des kulinarischen Erlebnisses: die ehrliche, gut gemachte Landküche, serviert in einem Ambiente, das Tradition und Gemütlichkeit ausstrahlte. Eine Analyse der zahlreichen Rückmeldungen von Gästen sowie der Selbstdarstellung des Betriebs zeichnet das Bild eines Ortes, der hohe Ansprüche an sich selbst stellte, diese grösstenteils erfüllte, aber auch Anlass für vereinzelte, differenzierte Kritik bot.

Das kulinarische Konzept: Regionalität und Qualität

Der Kern des Angebots im Steinbock war die gut bürgerliche Küche, die jedoch mit einem klaren Bekenntnis zu Qualität und Finesse interpretiert wurde. Die Betreiber, Familie Josten, legten laut eigenen Angaben und übereinstimmenden Gästebewertungen grössten Wert auf die Herkunft ihrer Produkte. Die Speisekarte war bewusst klein gehalten – ein Ansatz, der oft als Zeichen für Frische und sorgfältige Zubereitung gilt. Gäste beschrieben dies treffend als "kleine Karte mit grosser Wirkung". Das Versprechen, frische und saisonale Zutaten, wenn immer möglich von umliegenden Höfen zu beziehen, war ein zentraler Pfeiler der Küchenphilosophie. So stammten Gemüse und Salat vom Bio Hofladen Dütsch in Tägerwilen, das Brot von der lokalen Bäckerei Walz und die Räucherforelle aus der Forellenzucht Pfyn. Diese Transparenz schuf Vertrauen und unterstrich den Anspruch, authentische Schweizer Küche zu servieren.

Besonders gelobt wurde die liebevolle und ansprechende Präsentation der Gerichte. Details wie die Suppe, die in einem kleinen Kännchen am Tisch serviert wurde, oder das frische Brot, das mit einem Schneidebrett zum Gast kam, zeugen von einem hohen Mass an Aufmerksamkeit und dem Willen, das Essen gehen zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Die Portionen wurden als mehr als ausreichend beschrieben, was dem Charakter einer grosszügigen Landküche entsprach.

Ein Paradies für Fleischliebhaber und Vegetarier

Obwohl fest in der traditionellen Küche verwurzelt, zeigte sich das Restaurant erstaunlich modern und flexibel. Die Speisekarte bot nicht nur klassische Fleischgerichte, sondern auch eine bemerkenswerte Auswahl an vegetarischen Optionen. Dies wurde von Gästen explizit hervorgehoben und gelobt. Ein Besucher merkte an, dass sowohl seine Frau, die vegetarische Speisen bevorzugt, als auch er selbst mit seiner Vorliebe für Fleischgerichte vollends zufrieden waren – eine Leistung, die nicht jedem Lokal gelingt. Die Tatsache, dass beide ihre Teller restlos leerten, weil "wirklich alles gestimmt hat", spricht für die hohe Qualität über das gesamte Spektrum des Angebots hinweg.

Ambiente und Service: Zwischen Herzlichkeit und Kontroverse

Das Interieur des Steinbocks trug massgeblich zur Gesamterfahrung bei. Die Einrichtung als "Bauernstube mit Kachelofen und viel Holz" schuf eine warme, einladende und urige Atmosphäre. Dieses ländlich-gemütliche Ambiente war für viele Gäste der perfekte Rahmen für die servierten Speisen. Das Gebäude selbst, dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht und das nach einem Brand 1981 detailgetreu wiederaufgebaut wurde, strahlte eine spürbare Historie aus.

Der Service, geleitet von der Chefin Bernadette Josten, wurde in der überwiegenden Mehrheit der Fälle als ausserordentlich positiv bewertet. Attribute wie "freundlich", "zuvorkommend", "angenehm" und "mega sympathisch" finden sich in zahlreichen Kommentaren. Ein besonderes Merkmal war, dass der Küchenchef Willy Josten persönlich an die Tische kam, um sich nach dem Wohlbefinden der Gäste zu erkundigen. Dieser persönliche Kontakt wurde als Zeichen grosser Wertschätzung empfunden und trug zur familiären Stimmung bei.

Kritische Stimmen und differenzierte Wahrnehmungen

Trotz des grossen Lobs gab es auch Aspekte, die nicht bei allen Gästen gleich gut ankamen. Was die einen als herzliche, familiäre Atmosphäre empfanden, war für andere "zu familiär". Die wiederholte Nachfrage, ob alles in Ordnung sei, wurde von manchen als aufmerksam, von anderen jedoch als potenziell "lästig" wahrgenommen. Dies illustriert, wie subjektiv die Wahrnehmung von Service sein kann.

Auch die Küche war nicht gänzlich frei von Kritik. Ein Gast bemängelte, dass die zu einem Spargel-Schnitzel gereichten Butterkartoffeln geschmacklich wie aufgewärmte oder angebratene Kartoffeln vom Vortag wirkten. Bei einem als eher gehoben empfundenen Preisniveau sei dies ein inakzeptabler Makel. Diese Diskrepanz zwischen dem hohen Anspruch und einer solchen Detailnachlässigkeit fiel auf. Die Preisgestaltung selbst war ebenfalls ein Punkt unterschiedlicher Auffassungen. Während einige die Preise als "eher gehoben" einstuften, fanden andere sie für die gebotene Qualität "sehr vernünftig".

Ein schwerwiegender Vorfall, der 2019 öffentlich bekannt wurde, wirft einen dunkleren Schatten auf das ansonsten positive Bild. Einem Gast im Rollstuhl, der auf ein Atemgerät angewiesen war, wurde laut einem Bericht des "Beobachter" der Platz im Hauptraum verwehrt, um dies den "normalen Leuten" nicht zuzumuten. Die damalige Wirtin bestritt die Vorwürfe der Diskriminierung, der Vorfall löste jedoch eine erhebliche Kontroverse aus und steht im starken Kontrast zum sonst so gelobten herzlichen Empfang.

Ein Fazit: Das Vermächtnis des Steinbocks

Rückblickend war das Restaurant Zum Steinbock ein Ort mit einer klaren Identität. Es stand für eine hochwertige, regionale und saisonale gut bürgerliche Küche, die mit viel Liebe zum Detail zubereitet und in einem traditionellen, gemütlichen Rahmen serviert wurde. Der persönliche und meist als exzellent beschriebene Service war ein Markenzeichen. Es war ein Lokal, das von vielen als eines der besten Restaurants in der Umgebung geschätzt wurde, um gut essen zu gehen. Die wenigen, aber spezifischen Kritikpunkte an der Küchenleistung und die unterschiedlichen Auffassungen zur Serviceintensität und Preisgestaltung runden das Bild ab. Der dokumentierte Fall von Diskriminierung bleibt ein bedauerlicher und gravierender Makel in der Geschichte des Hauses. Da das Lokal nun dauerhaft geschlossen ist, bleibt die Erinnerung an ein Restaurant, das die lokale Gastronomielandschaft über Jahre prägte – mit all seinen gefeierten Stärken und seinen diskutierten Schwächen.

Weitere Geschäfte, die Sie interessieren könnten

Alle anzeigen