Obere Flühgasse
ZurückDas Restaurant Obere Flühgasse an der Flühgasse 69 im Zürcher Kreis 8 ist ein Betrieb, der sich bewusst gegen schnelllebige Trends stellt. Es präsentiert sich als ein Ort, der eine Zeitreise in eine frühere Epoche der Gastronomie ermöglicht. Wer hier eintritt, sucht nicht nach moderner Fusionsküche, sondern nach dem authentischen Geschmack der traditionellen Schweizer Küche. Die Atmosphäre wird von Gästen einstimmig als «heimelig», «familiär» und «Nostalgie pur» beschrieben. Es ist die Art von Lokal, die an eine warme, holzgetäferte Stube erinnert und damit einen starken Kontrast zur oft hektischen Zürcher Gastroszene bildet. Seit über 75 Jahren wird das Restaurant von derselben Familie geführt, was die Kontinuität und den traditionellen Charakter des Hauses unterstreicht. Diese Beständigkeit ist sowohl die grösste Stärke als auch ein Punkt, der potenzielle Gäste spalten kann.
Das kulinarische Angebot: Zwischen Exzellenz und Kritik
Die Speisekarte des Obere Flühgasse liest sich wie ein Best-of der währschaften helvetischen Klassiker. Gerichte wie Zürcher Geschnetzeltes, Kalbsleberli mit Rösti und Cordon Bleu stehen im Mittelpunkt des Angebots. Viele Gäste loben die Qualität und Authentizität der Speisen. So wird beispielsweise das Kalbsgeschnetzelte mit seiner reichhaltigen Pilzrahmsauce und den hausgemachten Spätzli als herausragend beschrieben. Auch der Chabissalat findet lobende Erwähnung, und die Rösti wird als eine der besten und knusprigsten der Stadt bezeichnet. Es sind diese traditionellen Gerichte, die den Ruf des Restaurants begründen und Gäste an ihre Kindheit erinnern lassen.
Allerdings ist das kulinarische Erlebnis nicht durchweg makellos. Einige Bewertungen zeichnen ein zwiespältiges Bild. So wurde ein Wienerschnitzel als eher trocken und einem panierten Kalbssteak ähnelnd empfunden, das fast frittiert wirkte. Ähnlich wurde ein Cordon Bleu als zwar geschmacklich in Ordnung, aber ungewöhnlich dick beschrieben. Diese Inkonsistenzen deuten darauf hin, dass die Küchenleistung je nach Gericht variieren kann. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Verfügbarkeit: Beliebte Speisen wie Kalbsleberli oder Lamm können bereits ausverkauft sein, was für Gäste, die sich auf ein bestimmtes Abendessen gefreut haben, enttäuschend sein kann. Positiv hervorgehoben wird hingegen die Weinkarte, die eine gute Auswahl an Weinen zu fairen Preisen bietet, wie der erwähnte Coto Mayor Gran Reserva 2015 zeigt.
Ambiente und Service: Die grossen Stärken
Wo sich fast alle Besucher einig sind, ist das aussergewöhnliche Ambiente des Lokals. Das Gefühl, in der Zeit zurückversetzt zu werden, wird als einzigartig für Zürich beschrieben. Die gemütliche Stube strahlt eine Wärme aus, die in modernen Restaurants oft fehlt. Im Sommer bietet zudem ein charmanter Aussenbereich im Hofgarten eine lauschige Alternative. Diese rustikale und authentische Umgebung ist ein entscheidender Faktor für viele Stammgäste.
Der Service wird in den meisten Fällen als tadellos, sehr freundlich und hilfsbereit gelobt. Das Personal scheint den familiären Charakter des Hauses zu verkörpern und trägt massgeblich dazu bei, dass sich die Gäste wohlfühlen. Diese persönliche und aufmerksame Betreuung wird von vielen als Highlight ihres Besuchs empfunden. Es gibt jedoch auch vereinzelte Berichte über einen unaufmerksamen Service an Abenden, an denen das Lokal sehr voll war, was auf möglichen Personalmangel oder eine zu hohe Gästedichte hindeuten könnte.
Wichtige Aspekte für Ihren Besuch
Trotz der vielen positiven Aspekte gibt es einige kritische Punkte, die potenzielle Kunden vor einer Reservierung bedenken sollten.
- Preisniveau: Das Restaurant ist im oberen Preissegment (Preislevel 3) angesiedelt. Während viele Gäste bereit sind, für die gebotene Qualität und das einzigartige Ambiente zu zahlen, empfinden andere das Preis-Leistungs-Verhältnis als nicht gerechtfertigt. Insbesondere wenn das Essen als nur «okay» und nicht als herausragend empfunden wird, kann der Preis als «völlig überrissen» wahrgenommen werden. Wer ein Restaurant in Zürich in dieser Preisklasse besucht, erwartet durchgehend eine exzellente Küchenleistung.
- Eignung für Familien: Das Obere Flühgasse scheint nicht die ideale Wahl für Familien mit kleinen, lebhaften Kindern zu sein. Eine detaillierte Schilderung berichtet von einer unangenehmen Erfahrung, bei der die Familie von der mehrheitlich älteren Klientel zurechtgewiesen wurde. Die engen Platzverhältnisse, die durch einen Fehler bei der Reservation entstanden, trugen zusätzlich zur Unruhe des Kindes bei. Das Restaurant zeigte in dieser Situation wenig Entgegenkommen. Familien sollten sich also bewusst sein, dass die ruhige, traditionelle Atmosphäre für Kleinkinder eine Herausforderung darstellen kann.
- Betriebszeiten und Zugänglichkeit: Ein sehr wichtiger Punkt sind die stark eingeschränkten Öffnungszeiten. Das Lokal ist nur an drei Tagen in der Woche geöffnet (Donnerstag, Samstag, Sonntag). Dies macht eine frühzeitige und telefonische Reservierung praktisch unerlässlich. Zudem ist der Eingang nicht barrierefrei, was für Gäste mit eingeschränkter Mobilität ein Ausschlusskriterium darstellt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Obere Flühgasse ein Restaurant mit einem sehr spezifischen Profil ist. Es ist die perfekte Wahl für Gäste, die ein nostalgisches Esserlebnis suchen und authentische, währschafte Schweizer Küche in einem einzigartigen, traditionellen Ambiente schätzen. Wer Wert auf eine herzliche Bedienung legt und bereit ist, dafür einen höheren Preis zu zahlen, wird hier wahrscheinlich einen unvergesslichen Abend verbringen. Wer jedoch moderne Küche, ein kinderfreundliches Umfeld oder ein perfektes Preis-Leistungs-Verhältnis bei jedem Gericht erwartet, könnte enttäuscht werden. Es ist ein Ort für Liebhaber, die genau wissen, was sie suchen: ein Stück gelebte Zürcher Gastronomiegeschichte.